In diesem Artikel
Herr Albrecht steht beim Bäcker in der Schlange, als ihm schwarz vor Augen wird. Als er wieder zu sich kommt, sitzt er auf einem Stuhl, und eine Sanitäterin fragt ihn, welche Tabletten er nimmt. Er weiß es. Nur die Namen wollen ihm in diesem Moment nicht einfallen.
Die Liste mit seinen Medikamenten liegt zu Hause in der Küchenschublade. Sein Handy hat er dabei. Es ist aber gesperrt, und den Code kennt außer ihm niemand. Für die Helfer ist es in diesem Moment nur ein schwarzes Glas. Ein Notfallpass auf dem Handy hätte das geändert.
Dabei kann fast jedes Smartphone genau hier helfen. Man kann wichtige Angaben so hinterlegen, dass Helfer sie sehen, ohne das Handy zu entsperren: Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien und eine Person, die man anrufen soll. Das dauert beim ersten Mal etwa zehn Minuten. Es ist eine von mehreren kleinen Einstellungen, die viel bewirken. Weitere davon zeige ich Ihnen in meinen Anleitungen rund um Smartphone und Tablet.
Hier lesen Sie, was in diese Notfallinfos gehört, wie Sie sie am iPhone und am Android-Handy eintragen und wie Sie prüfen, dass ein Helfer sie auch wirklich findet. Dazu kommen ein paar Hinweise, wie es ganz ohne Handy geht.
Worauf es ankommt:
- Medikamente, Allergien und einen Kontakt im Handy eintragen.
- Den Schalter für den Sperrbildschirm einschalten.
- Einmal selbst ausprobieren, was ein Helfer sieht.
Was Helfer im Notfall wirklich wissen müssen
Rettungskräfte brauchen keine Lebensgeschichte. Sie brauchen in kurzer Zeit wenige Angaben, die ihre Entscheidungen beeinflussen. Vieles davon können sie selbst messen. Manches aber nicht.
Diese Angaben helfen am meisten:
- Erkrankungen, die im Notfall wichtig sind, etwa Diabetes, Herzschwäche oder Epilepsie.
- Medikamente, vor allem blutverdünnende Mittel und Insulin.
- Allergien, zum Beispiel gegen Penicillin oder bestimmte Schmerzmittel.
- Ein Mensch, der Sie gut kennt und den man anrufen darf.
Mehr muss es nicht sein. Eine kurze, richtige Angabe ist besser als eine lange, die keiner liest.
Der Notfallpass: Ihr Handy spricht für Sie
Auf dem iPhone heißt diese Funktion „Notfallpass“. Auf vielen Android-Handys heißt sie „Notfallinformationen“ oder „Medizinische Informationen“. Gemeint ist immer dasselbe: eine kleine Karte mit Ihren wichtigsten Angaben, die im Handy gespeichert ist.
Das Besondere daran: Diese Karte lässt sich auch am gesperrten Handy öffnen. Wer Ihr Handy in der Hand hält, tippt auf „Notruf“ und findet dort den Notfallpass. Ihre Fotos, Nachrichten und Kontakte bleiben dabei verschlossen.
Rettungsdienste kennen diese Funktion. Viele Sanitäter sehen bei bewusstlosen Menschen gezielt dort nach. Aber natürlich nur, wenn dort auch etwas steht.
Was hineingehört – und was besser nicht
Die Felder sind auf beiden Handy-Arten ähnlich. Sie müssen nicht alle ausfüllen. Leere Felder werden einfach nicht angezeigt.
Gut aufgehoben sind dort Ihr Name und Geburtsdatum, die wichtigsten Erkrankungen, Ihre regelmäßigen Medikamente mit Dosis, Allergien und, wenn Sie sie kennen, Ihre Blutgruppe. Ein kurzer Satz im Feld „Notizen“ kann ebenfalls helfen, etwa „Herzschrittmacher seit 2021“ oder „Patientenverfügung liegt im Wohnzimmerschrank“. Der Notfallpass ist dabei nur der kurze Zettel für den Ernstfall. Wo Ihre ausführlichen Gesundheitsdaten digital liegen und wer sie sehen darf, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Nicht hinein gehören Dinge, die niemand Fremdes wissen soll: keine PIN, keine Kontonummer, keine Passwörter, keine genaue Adresse mit dem Hinweis „wohne allein“. Alles, was im Notfallpass steht, kann jeder lesen, der Ihr Handy findet.
Schritt für Schritt: Notfallpass am iPhone einrichten
Am iPhone steckt der Notfallpass in der App „Health“, dem weißen Symbol mit dem roten Herz. So gehen Sie vor:
- Öffnen Sie die App „Health“.
- Tippen Sie oben rechts auf das runde Bild mit Ihren Initialen.
- Tippen Sie auf „Notfallpass“ und dann auf „Los geht’s“ oder „Bearbeiten“.
- Tragen Sie Ihre Angaben ein. Unten können Sie Notfallkontakte hinzufügen.
- Schalten Sie „Im Sperrzustand zeigen“ ein.
- Tippen Sie oben rechts auf „Fertig“.
Je nach iOS-Version sehen die Bildschirme etwas anders aus. Die Begriffe „Notfallpass“ und „Im Sperrzustand zeigen“ finden Sie aber in allen aktuellen Fassungen.
So kommt ein Helfer an Ihren Notfallpass
Drei Bildschirme, ohne dass jemand Ihren Code kennt.
- 1Gesperrtes HandyDer Helfer tippt auf „Notruf“ oder „Notfall“. Einen Code braucht er nicht.
- 2Notruf-TastenfeldHier kann er 112 wählen. Ein Knopf darunter öffnet Ihren Notfallpass.
- 3Ihre AngabenNur das, was Sie selbst eingetragen haben. Alles andere bleibt gesperrt.
So richten Sie Notfallpass und Notfallinfos am Android-Handy ein
Bei Android hängt der Weg vom Hersteller ab. Auf einem Samsung-Handy finden Sie die Angaben meist unter Einstellungen › Sicherheit und Notfall › Medizinische Informationen. Dort tragen Sie Ihre Angaben ein und schalten „Auf dem Sperrbildschirm anzeigen“ ein. Die Notfallkontakte stehen eine Zeile darunter.
Auf einem Google-Pixel-Handy liegt der Bereich in der App „Persönliche Sicherheit“ oder unter Einstellungen › Sicherheit und Notfälle. Bei anderen Herstellern heißt es manchmal auch „Notfall-Informationen“ oder „Notfallinfo“.
Wenn Sie den Punkt nicht finden: Öffnen Sie die Einstellungen und tippen Sie oben auf die Lupe. Geben Sie „Notfall“ ein. Das Handy zeigt dann alle passenden Stellen.
Der wichtigste Schalter: sichtbar im Sperrzustand
Hier passiert der häufigste Fehler. Die Angaben sind sorgfältig eingetragen, aber der Schalter für den Sperrbildschirm ist aus. Dann sehen nur Sie selbst die Daten, also genau die Person, die sie im Notfall nicht braucht.
Prüfen Sie deshalb nach dem Eintragen noch einmal: Am iPhone muss „Im Sperrzustand zeigen“ grün sein. Am Samsung-Handy muss „Auf dem Sperrbildschirm anzeigen“ eingeschaltet sein. Bei anderen Android-Handys steht dort oft „Auf dem Sperrbildschirm“ oder „Ohne Entsperren anzeigen“.
Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Schreiben Sie sich in dem Moment nicht nur „erledigt“ auf. Probieren Sie es gleich aus, so wie weiter unten beschrieben. Erst dann wissen Sie, dass es klappt.
Notfallkontakte richtig eintragen
Ein Notfallkontakt ist ein Mensch aus Ihrem Telefonbuch, den Helfer direkt vom Sperrbildschirm aus anrufen können. Meist sind das Kinder, der Partner oder eine Nachbarin mit Schlüssel. Zwei Kontakte sind gut. Mehr als drei braucht kaum jemand.
Achten Sie darauf, dass bei diesen Kontakten die richtige Handynummer gespeichert ist. Eine alte Festnetznummer, unter der seit Jahren keiner abnimmt, hilft niemandem. Geben Sie außerdem die Beziehung an, etwa „Tochter“ oder „Nachbarin“. So weiß der Helfer gleich, mit wem er spricht.
Und sagen Sie der Person Bescheid. Es ist ein Unterschied, ob ein Anruf aus dem Krankenhaus völlig überraschend kommt oder ob man weiß: Ich stehe in Mamas Notfallpass.

So prüfen Sie, ob Helfer Ihren Notfallpass finden
Sperren Sie Ihr Handy und tun Sie so, als wären Sie ein Fremder. Wecken Sie den Bildschirm auf, ohne ihn zu entsperren.
Am iPhone wischen Sie nach oben, bis das Zahlenfeld für den Code erscheint. Unten links steht „Notfall“. Tippen Sie darauf und dann auf „Notfallpass“. Jetzt sehen Sie, was ein Helfer sieht. Rufen Sie dabei keine Nummer an.
Am Android-Handy tippen Sie auf dem Sperrbildschirm auf „Notruf“. Dort steht meist „Notfallinformationen“ oder „Medizinische Infos“. Bei manchen Handys muss man diesen Knopf zweimal antippen, damit sich die Angaben öffnen. Auch hier: Nur nachsehen, nichts wählen.
Wenn Sie die Schrift auf dem Handy grundsätzlich schlecht lesen können, zeige ich Ihnen vorher, wie Sie am Handy die Schriftgröße ändern.
Notruf SOS: die Tasten, die selbst Hilfe rufen
Viele Handys können auch selbst einen Notruf absetzen, ganz ohne Entsperren und ohne Tippen auf kleine Zahlen. Das ist praktisch, wenn Sie gestürzt sind und das Handy nur noch ertasten können.
Am iPhone halten Sie die Seitentaste und eine Lautstärketaste gleichzeitig gedrückt. Dann erscheint ein Regler „Notruf SOS“. Wenn Sie weiter gedrückt halten, zählt das iPhone herunter und wählt dann den Notruf. Bei vielen Android-Handys drücken Sie die Ein-Aus-Taste fünfmal schnell hintereinander. Ob diese Funktion eingeschaltet ist, sehen Sie in den Einstellungen unter „Notruf SOS“ oder „Notfall-SOS“.
Nach einem solchen Notruf schicken viele Handys Ihren Notfallkontakten automatisch eine Nachricht, oft mit Ihrem Standort. Auch das ist ein guter Grund, die Kontakte richtig einzutragen.
Die Nummer 112 können Sie übrigens fast immer auch am gesperrten Handy wählen. Dafür ist der Knopf „Notruf“ auf dem Sperrbildschirm da.
„Und wenn ein Fremder mein Handy findet?“
Diese Frage höre ich oft, und sie ist berechtigt. Ja, wer Ihr Handy findet, kann den Notfallpass lesen. Das ist so gewollt. Er sieht aber nur die Angaben, die Sie selbst dort eingetragen haben.
Ihre Nachrichten, Fotos, E-Mails und Ihr Online-Banking bleiben gesperrt. Der Finder kann vom Sperrbildschirm aus Ihre Notfallkontakte anrufen. Das ist sogar nützlich: So bekommen Sie ein verlorenes Handy manchmal schneller zurück.
Wer sich trotzdem unwohl fühlt, schreibt einfach weniger hinein. Name, Medikamente und ein Kontakt reichen schon. Die Blutgruppe oder das genaue Geburtsdatum sind kein Muss.
Auch ohne Handy: Notfalldose und Zettel im Portemonnaie
Das Handy ist nicht immer dabei. Zu Hause liegt es oft im anderen Zimmer, und manche Menschen haben gar keins. Deshalb ist es gut, die wichtigsten Angaben zusätzlich auf Papier zu haben.
Bewährt haben sich:
- Die Notfalldose: ein kleiner Behälter mit einem ausgefüllten Notfallblatt, der in der Kühlschranktür steht. Ein Aufkleber an der Wohnungstür und am Kühlschrank zeigt den Rettungskräften, dass es sie gibt.
- Ein Notfallausweis oder Zettel im Portemonnaie, direkt hinter dem Personalausweis.
- Der Medikationsplan vom Hausarzt, als Kopie in derselben Mappe wie die Patientenverfügung.
Notfalldosen gibt es in vielen Apotheken. Wichtig ist bei allen drei Wegen dasselbe wie beim Handy: Die Angaben müssen stimmen und aktuell sein.

Zweimal im Jahr nachsehen
Der Notfallpass ist nur so gut wie sein letzter Stand. Wenn der Arzt ein Medikament absetzt oder ein neues verschreibt, sollte das auch im Handy stehen. Sonst sieht der Helfer eine falsche Liste.
Ich würde es mit einem festen Termin verbinden, etwa mit der Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst. Oder mit dem Moment, in dem Sie ein neues Rezept bekommen. Wie Sie das E-Rezept einlösen, das Sie inzwischen meist bekommen, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Bei einem neuen Handy gilt: Der Notfallpass zieht meist mit um, wenn Sie das neue Gerät aus einer Sicherung einrichten. Verlassen Sie sich aber nicht darauf. Schauen Sie nach dem Umzug einmal nach, ob alles da ist und der Schalter für den Sperrbildschirm noch eingeschaltet ist.
Ob Sie gerade selbst etwas ausprobieren oder lieber jemanden fragen sollten, ist übrigens das Thema von Lektion 11 in meinem Videokurs für Senioren.
Stimmt Ihr Notfallpass noch?
- Neues Medikament?Gleich im Notfallpass ergänzen oder streichen.
- Neue Handynummer?Bei den Notfallkontakten die Nummer prüfen.
- Neues Handy?Sperrbildschirm-Schalter noch einmal kontrollieren.
Wenn Sie die Einstellung nicht finden
Ältere Handys haben manchmal keinen eigenen Notfallpass. Oder der Hersteller hat ihn an einer ungewöhnlichen Stelle versteckt. Probieren Sie zuerst die Suche in den Einstellungen mit dem Wort „Notfall“.
Klappt das nicht, gibt es einen einfachen Ausweg: ein Foto Ihres Notfallblatts als Hintergrundbild für den Sperrbildschirm. Das ist nicht so elegant, aber jeder sieht es sofort. Wenn das Handy wegen vollen Speichers keine Fotos mehr speichern will, hilft zuerst der Artikel Ihr Handy-Speicher ist voll? So schaffen Sie wieder Platz.
Und wenn Sie bei den medizinischen Angaben unsicher sind: Fragen Sie in der Hausarztpraxis nach einem aktuellen Medikationsplan. Den können Sie dann einfach abtippen.
Hilfe beim Einrichten der Notfallinfos in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause und richte den Notfallpass gemeinsam mit Ihnen ein. Wir tragen Ihre Angaben ein, legen die Notfallkontakte fest, schalten die Anzeige auf dem Sperrbildschirm ein und probieren zusammen aus, was ein Helfer sehen würde.
Auf Wunsch stellen wir auch den Notruf SOS so ein, dass er nicht aus Versehen losgeht. Und wenn Sie mögen, schreiben wir dieselben Angaben gleich noch für die Notfalldose auf.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Am Telefon reicht ein Satz wie: „Ich habe ein Samsung-Handy und möchte meine Medikamente für den Notfall darauf speichern.“ Dann bringe ich alles Nötige mit.


