In diesem Artikel
Sonntagnachmittag, Kaffee und Kuchen stehen bereit. Auf dem Tablet erscheint das Gesicht der Enkelin, die seit dem Herbst in München studiert. Sie winkt, erzählt von der neuen Wohnung und hält den Laptop so, dass man die Aussicht aus dem Fenster sieht. Für eine halbe Stunde ist München ganz nah.
So kann Videotelefonie sein. Und Videotelefonie für Senioren ist einfacher, als viele denken. Oft beginnt es aber anders: Das Bild bleibt schwarz, die Enkelin hört nichts, man sieht nur die eigene Stirn, und nach drei Minuten bricht die Verbindung ab.
Die gute Nachricht: Die meisten dieser Probleme haben einfache Ursachen, und mit ein wenig Vorbereitung wird der Videoanruf zum festen, schönen Teil der Woche.
Hier zeige ich, welches Gerät und welche App sich eignen, wie Sie das Bild und den Ton gut hinbekommen und was Sie tun, wenn es hakt.
Für einen guten Videoanruf:
- Dieselbe App wie die Familie benutzen.
- Mit dem Gesicht zum Licht sitzen.
- Das Gerät aufrecht hinstellen, Kamera auf Augenhöhe.
Welches Gerät eignet sich für Ihre Videotelefonie am besten?
Videotelefonie geht mit fast jedem Gerät, das eine Kamera hat: Handy, Tablet, Laptop oder ein Computer mit Kamera am Bildschirm. Für längere Gespräche mit der Familie hat sich ein Tablet besonders bewährt.
Ein Tablet hat einen großen Bildschirm, auf dem man die Enkel gut erkennt, und lässt sich auf den Tisch stellen. Ein Handy ist kleiner, aber man hat es immer dabei, und für einen kurzen Gruß reicht es völlig. Ein Laptop funktioniert ebenfalls gut, wenn die Kamera oben am Bildschirm eingebaut ist.
Wichtiger als das Gerät ist, dass beide Seiten dieselbe App verwenden. Ein Videoanruf funktioniert nur, wenn beide sich im selben Dienst treffen. Welche Wege es sonst noch gibt, den Draht zu Kindern und Enkeln zu halten, zeige ich Ihnen in meinem Überblick, wie Sie mit der Familie in Verbindung bleiben.
Wer gar kein Smartphone oder Tablet hat, muss übrigens nicht gleich ein teures Gerät kaufen. Oft gibt es in der Familie ein älteres Tablet, das noch gut genug für Videoanrufe ist. Wichtig ist nur, dass es noch Updates bekommt und die gewünschte App darauf läuft. Vor der Weitergabe sollte es auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden, damit keine fremden Konten mehr darauf sind. Ein solches Tablet eignet sich übrigens auch gut zum Lesen, etwa für E-Books aus den Berliner Bibliotheken.
Welche App sollten Sie für die Videotelefonie nehmen?
Es gibt viele Apps für Videoanrufe. Für Familien sind vor allem diese verbreitet:
- WhatsApp: Viele haben es ohnehin für Nachrichten. Ein Tippen auf das Kamerasymbol startet den Videoanruf.
- FaceTime: Auf iPhone und iPad schon installiert, funktioniert aber nur zwischen Apple-Geräten, wenn nicht per Link eingeladen wird.
- Signal: Ähnlich wie WhatsApp, mit besonders gutem Datenschutz.
- Zoom oder Teams: Eher für Gruppen und Termine mit Link, etwa wenn die ganze Familie dazukommen soll.
Mein Rat: Nehmen Sie die App, die Ihre Familie schon benutzt. Wer bereits mit den Enkeln per WhatsApp schreibt, braucht keine zweite App. Fragen Sie im Zweifel einfach in der Familie nach. Wenn WhatsApp bei Ihnen noch gar nicht auf dem Handy ist, erkläre ich Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie WhatsApp einrichten.
Die App sicher installieren
Laden Sie die App nur aus dem offiziellen Store Ihres Geräts, also dem App Store beim iPhone und iPad oder dem Play Store bei Android. Achten Sie dort auf den richtigen Anbieter: Bei WhatsApp steht darunter „WhatsApp LLC“, bei Zoom „Zoom“.
Seien Sie vorsichtig mit Links, die Ihnen jemand Unbekanntes schickt, um eine App „schneller“ zu installieren. Echte Einladungen führen immer in den offiziellen Store. Wie Sie prüfen, woher eine App stammt, zeige ich in Lektion 7 meines Videokurses „Computer verstehen“.
Beim ersten Start fragt die App, ob sie auf Kamera und Mikrofon zugreifen darf. Hier tippen Sie auf „Erlauben“. Ohne diese Erlaubnis sieht und hört Sie niemand.
Gutes Licht: das Gesicht nach vorn
Das häufigste Problem bei Videoanrufen ist nicht die Technik, sondern das Licht. Wer mit dem Rücken zum Fenster sitzt, ist auf dem Bild nur ein dunkler Umriss. Die Kamera stellt sich auf das helle Fenster ein, und das Gesicht verschwindet im Schatten.
Setzen Sie sich deshalb so, dass das Licht von vorn oder von der Seite kommt. Am besten mit dem Gesicht zum Fenster. Abends hilft eine Lampe, die hinter dem Tablet steht und Ihr Gesicht beleuchtet.
Schon dieser eine Handgriff macht den Unterschied zwischen „Oma, ich sehe dich gar nicht“ und einem Bild, auf dem man jedes Lächeln erkennt.
Werfen Sie vor dem Anruf auch einen kurzen Blick auf das kleine eigene Bild in der Ecke. So sehen Sie, was die Familie sieht, und können Licht und Haltung noch anpassen, bevor das Gespräch richtig beginnt.

Die Kamera auf Augenhöhe
Wer das Tablet flach auf den Tisch legt, zeigt der Familie vor allem die Zimmerdecke und das eigene Kinn. Stellen Sie das Gerät aufrecht hin, so dass die Kamera etwa auf Höhe Ihrer Augen ist.
Viele Tablet-Hüllen lassen sich zu einem kleinen Ständer falten. Fehlt der, helfen ein Bücherstapel und eine Tasse als Stütze. Für Handys gibt es günstige kleine Ständer. Halten Sie das Gerät nicht in der Hand, das Bild wackelt sonst und die Arme werden schwer.
Ein Abstand von etwa einer Armlänge ist ideal. Dann sieht die Familie Ihr Gesicht und ein bisschen Umgebung, und Sie sehen das Bild gut.
Wer eine Lesebrille trägt, sollte sie für den Anruf aufsetzen. Sonst rückt man unbewusst immer näher an den Bildschirm, und die Familie sieht nur noch einen Ausschnitt der Nase.
Zwei Handgriffe für ein gutes Bild
Licht und Kamerahöhe entscheiden, was die Familie von Ihnen sieht.
So sieht die Familie wenig
- Fenster hinter Ihnen
- Tablet flach auf dem Tisch
- Kamera schaut von unten
Ein dunkler Umriss und viel Zimmerdecke.
So sieht die Familie Sie
- Licht von vorn oder von der Seite
- Tablet aufrecht im Ständer
- Kamera auf Augenhöhe, eine Armlänge Abstand
Ein helles Gesicht, das man gern anschaut.
Der Ton: Lautstärke und Mikrofon
Hört die Familie Sie nicht, ist meist das Mikrofon stummgeschaltet. In fast allen Apps gibt es während des Anrufs ein Mikrofon-Symbol. Ist es durchgestrichen, tippen Sie einmal darauf.
Hören Sie selbst nichts, prüfen Sie die Lautstärke des Geräts mit den Tasten an der Seite. Drehen Sie während des Gesprächs lauter, nicht vorher, denn manche Geräte haben für Anrufe eine eigene Lautstärke.
Echo oder Pfeifen entstehen oft, wenn zwei Geräte im selben Raum am Anruf teilnehmen. Dann sollte eines davon den Ton ausschalten. Kopfhörer helfen ebenfalls, besonders wenn man schlecht hört.
So läuft ein Videoanruf ab
Mit WhatsApp als Beispiel ist ein Videoanruf in wenigen Schritten gemacht:
- Öffnen Sie WhatsApp und tippen Sie auf den Namen der Person, die Sie anrufen möchten.
- Tippen Sie oben rechts auf das Symbol mit der Kamera.
- Warten Sie, bis die andere Seite abhebt. Ihr eigenes Bild sehen Sie klein in einer Ecke.
- Zum Beenden tippen Sie auf den roten Knopf mit dem Telefonhörer.
Wird Sie selbst jemand anrufen, erscheint ein großes Bild mit einem grünen und einem roten Knopf. Grün heißt annehmen, rot ablehnen. Bei manchen Geräten muss man den grünen Knopf zur Seite wischen.
Feste Zeiten machen es leichter
Viele Familien haben gute Erfahrungen mit festen Zeiten gemacht, etwa jeden Sonntag um vier. Dann wissen alle Bescheid, das Tablet ist geladen, und niemand ist überrascht.
Gerade für Großeltern, die nicht täglich mit Technik zu tun haben, ist diese Verlässlichkeit Gold wert.
Ein fester Termin hat noch einen Vorteil: Wenn es beim ersten Mal hakt, kann man beim nächsten Mal vorher eine Probe machen, etwa mit einem Nachbarn oder einem Kind, das im selben Haus ist.
Laden Sie das Gerät vor dem Gespräch auf oder lassen Sie es während des Anrufs am Ladekabel. Videoanrufe brauchen viel Strom, und nichts ist ärgerlicher als ein leerer Akku mitten im Gespräch.

Mit der ganzen Familie gleichzeitig
Besonders schön ist es, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig dabei sind: die Tochter in Hamburg, der Sohn in Köln und die Enkel in München, alle auf einem Bildschirm. Das nennt man Gruppenanruf, und die meisten Apps können das.
Bei WhatsApp geht es am einfachsten über eine Familiengruppe. In der Gruppe tippen Sie oben auf das Kamerasymbol, und alle Mitglieder bekommen den Anruf gleichzeitig. Wer abhebt, ist dabei. Falls es diese Gruppe bei Ihnen noch nicht gibt: Im Artikel So erstellen Sie eine WhatsApp-Gruppe für die ganze Familie zeige ich Ihnen, wie Sie sie anlegen. Bei Zoom und Teams bekommt man stattdessen einen Link, auf den alle zur verabredeten Zeit klicken.
Bei vielen Teilnehmern wird jedes Bild kleiner. Dann zahlt sich ein Tablet oder ein Laptop besonders aus. Und eine kleine Regel hilft: nicht alle gleichzeitig reden, sonst versteht keiner etwas.
Was Sie vor dem ersten Anruf klären sollten
Ein paar Dinge sollten vor dem ersten Videoanruf geklärt sein. Dann läuft das Gespräch entspannter, und niemand wartet vergeblich:
- Welche App benutzen alle Beteiligten?
- Sind die Telefonnummern im Handy unter den richtigen Namen gespeichert?
- Wer ruft wen an, und zu welcher Uhrzeit?
- Ist das Gerät geladen, und steht es an einem Platz mit gutem WLAN?
- Gibt es einen Ersatzweg, etwa ein normales Telefonat, falls das Video nicht klappt?
Mit diesen Antworten im Kopf wird schon der erste Anruf viel entspannter. Und falls doch etwas nicht klappt, ist niemand enttäuscht, weil alle wissen, wie es weitergeht.
Wenn das Bild ruckelt oder abbricht
Ruckelt das Bild oder bricht die Verbindung ab, liegt es fast immer an der Internetverbindung, auf einer der beiden Seiten. Setzen Sie sich näher an den Router oder in ein Zimmer, in dem das WLAN gut ist. Wie Sie herausfinden, wo das WLAN in der Wohnung schwach ist, und wie Sie die WLAN-Reichweite erhöhen, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Hilft das nicht, schalten Sie kurz das eigene Video aus. Dann sieht die Familie Sie zwar nicht, das Gespräch läuft aber stabiler. Bei manchen Handys hilft es auch, das WLAN aus- und wieder einzuschalten.
Und manchmal liegt es schlicht an der anderen Seite. Wer im Zug sitzt oder unterwegs ist, hat oft schlechten Empfang. Dann lieber später noch einmal anrufen.
Bereit für den Videoanruf?
- Gerät geladen?Oder gleich am Ladekabel lassen.
- Licht von vorn?Nicht mit dem Rücken zum Fenster sitzen.
- Mikrofon an?Ist das Symbol durchgestrichen, einmal antippen.
Sicher bleiben bei Videoanrufen
Videoanrufe mit der Familie sind sicher. Vorsicht ist nur bei Anrufen von Unbekannten geboten. Nehmen Sie keine Videoanrufe von Nummern an, die Sie nicht kennen. Betrüger nutzen Videoanrufe gelegentlich, um Vertrauen zu erschleichen oder Bildschirmaufnahmen zu machen.
Und wie bei Textnachrichten gilt: Wenn ein angebliches Familienmitglied plötzlich mit neuer Nummer anruft und um Geld bittet, rufen Sie unter der alten, bekannten Nummer zurück. Mehr zu dieser Masche steht im Artikel Eine „Hallo Mama“-SMS bekommen? So melden Sie sie der Polizei
Wenn Sie es lieber gemeinsam einrichten
Bei der ersten Einrichtung ist es oft am einfachsten, wenn jemand dabei ist. Die Enkel können bei einem Besuch die App installieren, einen Probeanruf machen und die wichtigsten Knöpfe zeigen. Ein kleiner Zettel neben dem Tablet mit den drei, vier Schritten hilft danach beim Erinnern.
Wer seine Eltern dabei unterstützen möchte, findet weitere Gedanken im Artikel Wie kann ich den Computer meiner Eltern einfacher machen?
Hilfe bei der Videotelefonie in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause. Ich richte die passende App auf Ihrem Tablet oder Handy ein, suche mit Ihnen einen Platz mit gutem Licht und gutem WLAN und mache einen Probeanruf, bis alles sitzt. Auf Wunsch sind die Enkel per Video gleich mit dabei.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Ich möchte meine Enkel per Video sehen, aber es klappt nie richtig.“ Damit weiß ich schon ziemlich viel.


