In diesem Artikel
Frau Hoffmann hat drei Schuhkartons voller Fotos im Schrank. Hochzeitsbilder, die Kinder am Wannsee, der erste Urlaub in Italien. Dazu kommen zwei Magazine mit Dias, die seit Jahrzehnten niemand mehr angesehen hat, weil der Projektor längst kaputt ist. Ihre Tochter fragt beim Kaffee: „Mama, können wir die nicht mal auf den Computer bringen? Dann hätten wir alle etwas davon.“
Frau Hoffmann gefällt die Idee, aber sie weiß nicht, wo sie anfangen soll. Braucht man dafür ein teures Gerät? Muss man jedes Bild einzeln einlegen? Und was ist mit den Dias? Wie Sie alte Fotos digitalisieren, zeige ich Ihnen in diesem Artikel.
Die Antwort hängt davon ab, was in Ihren Kartons liegt und wie viel Zeit Sie investieren möchten. Für Papierbilder reicht oft schon das Handy. Für Dias und Negative gibt es eigene Wege. Und wer keine Lust auf Fleißarbeit hat, lässt digitalisieren.
Hier erkläre ich die verschiedenen Möglichkeiten Schritt für Schritt, welche Einstellungen sinnvoll sind und wie Sie die fertigen Bilder so ablegen, dass Sie und Ihre Familie sie auch in zwanzig Jahren noch finden.
Auf einen Blick:
- Erst aussortieren, dann digitalisieren.
- Papierbilder gehen mit Handy oder Scanner, Dias brauchen Licht von hinten.
- Die fertigen Bilder an zwei Orten sichern.
Warum es sich lohnt, alte Fotos zu digitalisieren
Papierbilder verblassen. Farben kippen ins Rötliche oder Gelbliche, Ränder werden brüchig, und ein Wasserschaden im Keller kann in einer Nacht ganze Jahrzehnte vernichten. Dias und Negative halten etwas länger, aber auch sie altern, und ohne Projektor sieht man sie ohnehin nicht mehr.
Ein digitales Bild verblasst nicht. Man kann es beliebig oft kopieren, an die Enkel schicken, auf dem Fernseher zeigen oder neu ausdrucken lassen. Und wenn eine Kopie verloren geht, gibt es noch die anderen. Wie Sie solche Kopien Ihrer Fotos und Dateien sinnvoll aufbewahren, habe ich in meiner Übersicht, wie Ihre Bilder und Dateien sicher bleiben zusammengestellt.
Dazu kommt etwas, das man leicht unterschätzt: Die Geschichten zu den Bildern. Beim Digitalisieren nimmt man jedes Foto noch einmal in die Hand. Das ist eine gute Gelegenheit, aufzuschreiben, wer darauf zu sehen ist und wann es entstanden ist, solange Sie es noch wissen.
Papierbild, Dia oder Negativ – was liegt bei Ihnen?
Bevor Sie sich für einen Weg entscheiden, schauen Sie, welche Art von Bildern Sie haben. Das ist wichtig, weil jede Art anders behandelt werden muss.
Papierbilder sind die klassischen Abzüge, die man in Alben klebt. Dias sind kleine, durchsichtige Bilder in einem Rähmchen aus Pappe oder Kunststoff, die man früher an die Wand projiziert hat. Negative sind die braunen oder orangefarbenen Filmstreifen, die beim Entwickeln mit den Abzügen zurückkamen.
Negative und Dias brauchen Licht von hinten, damit man sie scannen kann. Ein normales Handyfoto oder ein einfacher Scanner hilft da nicht weiter. Papierbilder dagegen lassen sich mit fast jedem Gerät erfassen.
Welche Vorlage womit digitalisiert wird
Drei Arten alter Bilder, drei Wege. Dazu steht jeweils die übliche Auflösung.
- PapierbildAbzug aus dem Album oder SchuhkartonHandy oder Scan‑AppFlachbettscannerDienstleister300–600 dpi
- DiaKleines Bild im Papp‑ oder KunststoffrahmenScanner mit DurchlichtDiascannerDienstleister2400–4000 dpi
- NegativBrauner oder oranger FilmstreifenScanner mit DurchlichtDienstleister2400–4000 dpi
Erst sortieren, dann scannen
Der größte Fehler ist, einfach loszulegen. Wer jeden Schnappschuss digitalisiert, sitzt Wochen daran und hat am Ende Tausende Bilder, die niemand ansieht. Nehmen Sie sich deshalb zuerst einen Nachmittag zum Aussortieren. Doppelte, unscharfe und Bilder von Menschen, die niemand mehr kennt, dürfen in der Kiste bleiben.
Legen Sie die übrigen Bilder in Stapel, etwa nach Jahrzehnten, nach Anlässen oder nach Personen. Schreiben Sie auf einen Zettel, was jeder Stapel enthält, zum Beispiel Hochzeit 1968 oder Urlaub Italien 1975. Diese Angaben brauchen Sie später für die Ordner auf dem Computer.
Wenn Sie Angehörige dabeihaben, umso besser. Gemeinsames Sortieren macht nicht nur mehr Spaß, oft erinnert sich die Schwester an einen Namen, den Sie vergessen hatten, oder an das Jahr, in dem das Bild entstanden ist.
Der einfachste Weg: abfotografieren mit dem Handy
Für Papierbilder genügt oft ein modernes Handy. Die Kameras sind heute so gut, dass das Ergebnis zum Anschauen und Teilen völlig ausreicht. Ein paar Dinge machen den Unterschied:
- Legen Sie das Foto flach auf einen dunklen, matten Untergrund.
- Fotografieren Sie bei Tageslicht am Fenster, aber nicht in der prallen Sonne. Das Blitzlicht bleibt aus.
- Halten Sie das Handy genau parallel über das Bild, damit es nicht schief wirkt.
- Füllen Sie den Bildschirm mit dem Foto, ohne den Rand abzuschneiden.
Glänzende Abzüge spiegeln gern. Neigen Sie dann das Handy ein wenig oder drehen Sie das Foto, bis die helle Stelle verschwindet.

Scan-Apps machen es noch leichter
Es gibt kostenlose Apps, die speziell für alte Fotos gemacht sind. Sie erkennen die Ränder des Bildes, schneiden den Hintergrund automatisch weg und richten schiefe Aufnahmen gerade. Manche nehmen das Foto mehrmals aus leicht unterschiedlichen Winkeln auf und rechnen Spiegelungen heraus.
Solche Apps finden Sie im App-Store Ihres Handys, wenn Sie nach Fotoscanner suchen. Achten Sie auf viele gute Bewertungen und darauf, dass die App keine teuren Abos verlangt, bevor Sie überhaupt ein Bild speichern können.
Für ein paar Dutzend Bilder ist das der schnellste Weg. Für mehrere hundert wird es mühsam, weil jedes Bild einzeln aufgenommen werden muss. Dann lohnt sich ein Scanner oder ein Dienstleister.
So digitalisieren Sie alte Fotos mit dem Scanner – Schritt für Schritt
Viele Drucker haben oben eine Klappe mit einer Glasplatte. Das ist ein Flachbettscanner, und er eignet sich hervorragend für Papierbilder. So gehen Sie vor:
- Wischen Sie die Glasplatte mit einem weichen, trockenen Tuch sauber. Jeder Fussel ist später auf dem Bild.
- Legen Sie mehrere Fotos mit etwas Abstand nebeneinander auf das Glas, mit der Bildseite nach unten.
- Starten Sie am Computer das Scan-Programm und wählen Sie Foto oder Farbe.
- Stellen Sie die Auflösung ein, dazu gleich mehr, und speichern Sie das Ergebnis im Format JPG.
Viele Scan-Programme können die einzelnen Fotos auf der Glasplatte automatisch erkennen und als getrennte Bilder speichern. Das spart viel Zeit beim Zuschneiden.
Welche Auflösung ist die richtige?
Die Auflösung gibt an, wie fein der Scanner hinschaut. Sie wird in dpi angegeben, Punkten pro Zoll. Je höher die Zahl, desto mehr Einzelheiten, aber auch desto größer die Datei und desto länger dauert der Scan.
Für normale Papierabzüge reichen 300 dpi zum Anschauen am Bildschirm und für Abzüge in derselben Größe. Wählen Sie 600 dpi, wenn Sie ein Bild später vergrößern möchten oder wenn es sich um kleine Fotos handelt, etwa die typischen kleinen Schwarz-Weiß-Bilder mit gezacktem Rand.
Für Dias und Negative braucht es deutlich mehr, weil das Bild so winzig ist. Hier sind 2400 bis 4000 dpi üblich. Mehr als das bringt bei alten Filmen meist keinen sichtbaren Gewinn.
Dias und Negative digitalisieren
Für Dias und Negative brauchen Sie ein Gerät, das Licht durch den Film schickt. Manche Flachbettscanner haben dafür einen Durchlichtaufsatz im Deckel und passende Halter für Dias und Filmstreifen. Ein gewöhnlicher Scanner ohne diesen Aufsatz kann Dias nicht richtig erfassen.
Daneben gibt es kleine Diascanner, in die man die Rähmchen einzeln einschiebt. Sie sind günstig und einfach zu bedienen, die Qualität ist aber oft nur mittelmäßig. Für ein paar Familiendias reicht das, für eine große Sammlung eher nicht.
Wer mehrere hundert Dias hat, ist bei einem Dienstleister meist besser aufgehoben. Dort laufen die Dias durch Geräte, die sie automatisch nacheinander einziehen, reinigen und farblich korrigieren.

Sie können alte Fotos auch digitalisieren lassen
Wenn Ihnen die Arbeit zu viel ist, können Sie Ihre Bilder digitalisieren lassen. Viele Fotoläden und Drogeriemärkte nehmen solche Aufträge an und schicken sie an spezialisierte Labore. Daneben gibt es Dienstleister, denen Sie Ihre Bilder per Post zusenden. Vor dem Auftrag lohnt es sich, ein paar Dinge zu klären:
- Was kostet ein Bild, und gibt es eine Grundgebühr? Für Papierbilder und Dias liegen die Preise oft zwischen etwa 15 und 50 Cent pro Stück, bei kleinen Mengen kann es mehr sein.
- In welcher Auflösung wird gescannt, und werden Staub und Kratzer entfernt?
- Wie werden die Bilder verschickt, und sind sie unterwegs versichert?
- Wie bekommen Sie die Ergebnisse, auf einem USB-Stick oder zum Herunterladen?
Schicken Sie nie Ihre einzigen Originale ohne Sendungsverfolgung weg. Bei besonders wertvollen Bildern ist ein Laden vor Ort, bei dem Sie die Bilder persönlich abgeben, oft die ruhigere Wahl.
Die Bilder sinnvoll benennen und ordnen
Ein Scanner nennt die Dateien meist Scan001, Scan002 und so weiter. Nach ein paar hundert Bildern weiß niemand mehr, was wo ist. Legen Sie deshalb gleich zu Beginn eine Ordnung an.
Bewährt hat sich ein Hauptordner Alte Fotos und darin Unterordner mit Jahr und Anlass, etwa 1968 Hochzeit oder 1975 Italien. Wenn Sie die Jahreszahl vorne schreiben, sortiert der Computer die Ordner automatisch in der richtigen Reihenfolge. Wie Sie Ordner anlegen, auch ganz schnell mit einer Tastenkombination für einen neuen Ordner, erkläre ich Ihnen gesondert.
Besonders wertvoll sind Namen bei Personen. Eine Datei mit dem Namen 1968 Hochzeit Oma Grete und Opa Hans ist in fünfzig Jahren für Ihre Urenkel mehr wert als jedes perfekt gescannte, aber namenlose Bild.
Die digitalen Bilder sichern
Wenn die Fotos nur auf einem einzigen Computer liegen, haben Sie das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. Ein Defekt, ein Diebstahl, und alles ist weg. Speichern Sie die Bilder deshalb an mindestens zwei Orten, zum Beispiel auf dem Computer und auf einer externen Festplatte. Wie Sie Ihre Daten retten, wenn es doch einmal so weit gekommen ist, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Wer mag, legt eine dritte Kopie in einen Online-Speicher, also eine Cloud. Dann sind die Bilder sogar dann sicher, wenn in der Wohnung etwas passiert. Wie Sie Ihre Fotos auf diese Weise sichern, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Wie Sie prüfen, ob Ihre Fotos wirklich gesichert sind, übe ich Schritt für Schritt in Lektion 6 meines Videokurses „Computer verstehen“. Und die Originale? Die heben Sie trotzdem auf. Ein Papierbild in der Hand hat seinen eigenen Wert.
Die alten Fotos mit der Familie teilen
Das Schönste am Digitalisieren ist, dass plötzlich alle etwas davon haben. Die Kinder, die Enkel, die Cousine in Hamburg. Alle auf einmal erreichen Sie zum Beispiel mit einer Familiengruppe in WhatsApp. Einzelne Bilder können Sie per E-Mail oder Nachricht verschicken, und wie Sie eine große Datei per Mail versenden, zeige ich Ihnen in einer eigenen Anleitung.
Für ganze Sammlungen eignet sich ein USB-Stick als Geschenk, etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Oder Sie lassen aus den schönsten Bildern ein Fotobuch drucken. Damit schließt sich der Kreis: Aus den Bildern im Schuhkarton wird wieder etwas, das man in die Hand nehmen kann.
Wenn etwas nicht klappt
Sind die Bilder nach dem Scannen zu dunkel oder farblich verschoben, liegt das selten am Gerät. Alte Abzüge haben oft selbst einen Farbstich. Viele Scan-Programme haben eine automatische Farbkorrektur, die Sie einschalten können. Probieren Sie es an einem einzelnen Bild aus, bevor Sie hundert scannen.
Erkennt der Computer den Scanner nicht, hilft oft ein Neustart beider Geräte. Ist der Scanner sehr alt, gibt es für neuere Windows-Versionen manchmal keinen Treiber mehr. Dann ist ein Dienstleister die einfachere Lösung, statt lange zu suchen.
Und wenn die Kartons Sie einfach erschlagen: Fangen Sie mit einem einzigen Stapel an, den zehn Bildern, die Ihnen am meisten bedeuten. Der Rest kann warten.
Hilfe beim Digitalisieren in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg oder Umgebung wohnen, komme ich gern zu Ihnen nach Hause. Wir richten gemeinsam Ihren Scanner oder eine passende App ein, scannen die ersten Bilder zusammen und legen eine Ordnung an, die Sie allein weiterführen können. Danach sichern wir alles an einem zweiten Ort, damit die Erinnerungen nicht verloren gehen.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.


