In diesem Artikel
Sonntagabend, das wöchentliche Telefonat mit der Mutter. Zwischen Wetter und Nachbarschaft erzählt sie ganz nebenbei: „Heute hat übrigens Microsoft angerufen. Mein Computer hätte einen Virus. Der Mann war sehr nett.“
In diesem Moment wird einem kurz heiß. Was hat sie ihm gesagt? Hat sie etwas installiert? Hat sie bezahlt?
Viele Angehörige kennen diese Sorge. Die Eltern sind klug und lebenserfahren. Aber die Tricks am Computer werden immer geschickter. Und die Betrüger suchen sich gezielt Menschen aus, die höflich sind und nicht gleich auflegen.
Die gute Nachricht: Mit ein paar klaren Absprachen und wenigen Einstellungen lässt sich das Risiko deutlich senken. Ohne dass sich Ihre Mutter oder Ihr Vater bevormundet fühlt. Wie Sie Ihren Eltern auch sonst am Computer zur Seite stehen, zeige ich Ihnen in meinem Ratgeber für Angehörige.
Das schützt Ihre Eltern am meisten:
- Eine klare Regel: Bei fremden Anrufen wegen des Computers wird aufgelegt.
- Ein Codewort und ein Rückruf unter der bekannten Nummer, bevor Geld fließt.
- Ein aktueller Computer und ein Zettel mit der Nummer für den Notfall.
Warum gerade ältere Menschen ins Visier geraten
Das hat nichts damit zu tun, dass ältere Menschen weniger klug wären. Im Gegenteil.
Betrüger setzen auf Eigenschaften, die eigentlich gut sind. Höflichkeit. Vertrauen in Firmen und Behörden. Und die Bereitschaft, jemandem zuzuhören, der um Hilfe bittet.
Dazu kommt: Wer den Computer erst spät kennengelernt hat, kann schlechter einschätzen, was normal ist und was nicht. Ruft Microsoft wirklich an? Kann eine Internetseite wirklich wissen, dass der Computer einen Virus hat? Wer das nicht sicher weiß, glaubt im Zweifel dem freundlichen Menschen am Telefon.
Die Maschen, die am häufigsten vorkommen
Es lohnt sich, die typischen Tricks einmal gemeinsam durchzugehen. Wer sie schon einmal gehört hat, erkennt sie später viel leichter. Besonders häufig sind:
- Ein Anruf von angeblichen Mitarbeitern von Microsoft oder vom „technischen Support“.
- Ein Warnfenster im Browser, das laut piept und eine Telefonnummer anzeigt.
- Eine E-Mail oder SMS von der Bank, der Post oder einem Paketdienst mit einem Link.
- Eine Nachricht von einer unbekannten Handynummer: „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer.“
- Ein Online-Shop mit unglaublich günstigen Preisen, der nur Vorkasse akzeptiert.
Allen gemeinsam ist der Zeitdruck. Es muss jetzt sofort etwas passieren. Und genau das ist das wichtigste Warnzeichen.
Drei Sätze für Ihre Eltern
- Fremder Anruf wegen des Computers?Auflegen – seriöse Firmen rufen nicht an.
- Warnfenster mit Telefonnummer?Nicht anrufen, Fenster schließen.
- Jemand will Geld oder eine TAN?Erst die Familie unter der bekannten Nummer fragen.
Die eine Regel, die fast alles verhindert
Wenn Ihre Eltern sich nur einen einzigen Satz merken, dann diesen: Niemand Seriöses ruft unaufgefordert an und möchte auf den Computer zugreifen.
Weder Microsoft noch die Bank noch die Telekom. Diese Firmen wissen gar nicht, ob ein bestimmter Computer einen Virus hat. Und sie würden sich deswegen auch nicht melden.
Daraus folgt eine einfache Handlungsregel: auflegen. Ohne schlechtes Gewissen und ohne Erklärung. Wer wirklich etwas will, meldet sich auf anderem Weg noch einmal.
Ganz ohne Technik geht es trotzdem nicht. Die beste Grundlage ist ein Computer, der auf dem aktuellen Stand ist. Warum regelmäßige System-Updates so wichtig sind, erkläre ich Ihnen gesondert.
Ein Familien-Codewort für Notfälle
Die Masche „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“ ist eine moderne Form des Enkeltricks. Kurz darauf kommt die Bitte, dringend eine Rechnung zu bezahlen, weil das neue Handy angeblich noch kein Online-Banking kann. Bekommen Ihre Eltern so eine Nachricht, lohnt es sich, die „Hallo Mama“-SMS der Polizei zu melden. Wie das geht, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.
Dagegen hilft etwas ganz Altmodisches: ein Codewort. Vereinbaren Sie in der Familie ein Wort, das nur Sie kennen. Bittet jemand per Nachricht um Geld, fragt Ihre Mutter nach diesem Wort. Wer es nicht kennt, bekommt kein Geld.
Noch einfacher ist eine zweite Regel: Bei jeder Bitte um Geld wird erst unter der alten, bekannten Nummer zurückgerufen. Das kostet eine Minute und hat schon viele Ersparnisse gerettet.

Reden ohne Angst zu machen
Bei all dem kommt es sehr auf den Ton an. Wer seinen Eltern erklärt, wie gefährlich das Internet ist, erreicht oft das Gegenteil. Sie trauen sich gar nichts mehr zu. Oder sie erzählen später lieber nicht, wenn etwas schiefgegangen ist.
Besser funktioniert es, wenn Sie die Maschen wie eine Geschichte erzählen. „Stell dir vor, was neulich einer Bekannten passiert ist.“ Und wenn Sie deutlich sagen: Es ist keine Schande, darauf hereinzufallen. Es passiert sehr klugen Menschen.
Das Wichtigste ist, dass Ihre Eltern im Ernstfall sofort anrufen. Und nicht aus Scham erst drei Tage warten.
Ein Zettel neben dem Computer
Was in Ruhe besprochen wurde, ist in der Aufregung schnell vergessen. Deshalb hilft ein kleiner Zettel, der gut sichtbar neben dem Computer liegt oder am Bildschirmrand klebt.
Darauf steht nur das Allernötigste. Dass man bei fremden Anrufern auflegt. Dass man auf Warnfenster nicht reagiert. Und welche Nummer man im Zweifel anruft, bevor man irgendetwas klickt oder bezahlt.
So ein Zettel wirkt unscheinbar. Aber er ist genau dann da, wenn das Telefon klingelt und der Puls steigt.
So kann der Zettel neben dem Computer aussehen
Kurz, groß geschrieben und mit einer Nummer, die man im Zweifel anruft.
- ☎Fremder Anruf wegen Computer: auflegen
- ⚠Warnfenster mit Telefonnummer: nicht anrufen
- €Bitte um Geld oder TAN: erst nachfragen
Was Sie am Computer selbst einstellen können
Neben den Absprachen gibt es auch technische Hilfen. Keine davon ist ein vollständiger Schutz. Zusammen machen sie es Betrügern aber deutlich schwerer.
Wichtig sind vor allem diese Punkte:
- Windows und Browser sind auf dem aktuellen Stand und installieren Updates von selbst.
- Der eingebaute Schutz von Windows, Microsoft Defender, ist eingeschaltet.
- Im Browser sind Benachrichtigungen von Webseiten gesperrt oder nur wenigen bekannten Seiten erlaubt.
- Kein überflüssiges Programm zur Fernwartung ist installiert, das Fremde nutzen könnten.
- Für das E-Mail-Postfach ist ein gutes Passwort vergeben, das nirgendwo sonst verwendet wird.
Wenn Sie das bei Ihrem nächsten Besuch einmal gemeinsam durchgehen, ist schon viel gewonnen. Und falls ohnehin ein neues Gerät ansteht, finden Sie meine Hinweise zum Laptopkauf für Ihre Eltern an anderer Stelle.
Online-Banking: ein zweites Paar Augen
Beim Geld lohnt sich zusätzliche Vorsicht. Viele Banken bieten an, ein Tageslimit für Überweisungen festzulegen. Dann kann auch im schlimmsten Fall nicht das ganze Konto leergeräumt werden.
Fragen Sie außerdem bei der Bank nach, ob sich Ihre Eltern bei ungewöhnlichen Buchungen benachrichtigen lassen können. Manche Banken schicken dann eine SMS oder eine Nachricht in der Banking-App.
Und eine Regel für alle Fälle: Eine Bank fragt niemals am Telefon oder per E-Mail nach einer PIN oder TAN. Wer danach fragt, ist ein Betrüger.

Wenn es doch passiert ist
Kommt der Anruf mit dem Satz „Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht“, ist vor allem eines wichtig: schnell handeln. Und Ruhe bewahren.
Ich würde in dieser Reihenfolge vorgehen:
- Den Computer vom Internet trennen. Am einfachsten das WLAN ausschalten oder das Netzwerkkabel ziehen.
- Wenn Bankdaten genannt oder eingegeben wurden: sofort die Bank anrufen. Bankkarten lassen sich außerdem rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 sperren.
- Passwörter ändern, vor allem für das E-Mail-Postfach. Und zwar von einem anderen, sicheren Gerät aus.
- Den Vorfall bei der Polizei anzeigen. Das geht in Berlin auch online über die Internetwache.
- Den Computer überprüfen lassen, bevor er wieder normal benutzt wird.
Und ganz wichtig: Machen Sie keine Vorwürfe. Ihre Mutter oder Ihr Vater ärgert sich ohnehin schon genug.
Die neue Masche: Nachrichten von „Kindern“ mit neuer Nummer
Eine der häufigsten Betrugsmaschen kommt heute nicht per Anruf, sondern per Nachricht aufs Handy. „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer, mein altes Handy ist kaputt.“ Kurz darauf folgt die Bitte, eine dringende Rechnung zu überweisen, weil das Online-Banking auf dem neuen Handy noch nicht funktioniere.
Die Nachricht wirkt persönlich, und genau das macht sie gefährlich. Besprechen Sie mit Ihren Eltern eine einfache Regel: Wenn jemand aus der Familie per Nachricht um Geld bittet, wird erst unter der alten, bekannten Nummer angerufen. Meldet sich dort das echte Kind, ist die Sache geklärt.
Das Familien-Codewort, das weiter oben beschrieben ist, hilft hier ebenso. Wer das Wort nicht kennt, ist nicht das Kind, egal wie vertraut die Nachricht klingt.
Wenn Ihre Eltern sich schämen
Viele Betrugsfälle bleiben lange unentdeckt, weil die Betroffenen sich schämen. Sie haben das Gefühl, etwas Dummes getan zu haben, und erzählen es niemandem, auch nicht den eigenen Kindern. Manchmal zahlen sie sogar ein zweites Mal, um den ersten Fehler wiedergutzumachen.
Sagen Sie deshalb schon vorher, ganz ausdrücklich: „Wenn dir so etwas passiert, bin ich nicht böse. Ruf mich sofort an.“ Erzählen Sie ruhig auch von eigenen Erlebnissen, etwa von einer E-Mail, auf die Sie fast hereingefallen wären. Das nimmt den Druck heraus.
Je schneller nach einem Betrug gehandelt wird, desto mehr lässt sich retten. Eine Überweisung kann manchmal noch gestoppt, eine Karte noch gesperrt werden. Dafür braucht es aber den Anruf am selben Tag, nicht eine Woche später. Ist doch etwas passiert, schaue ich mir den Computer danach in Ruhe an – so läuft meine Hilfe nach einem Betrugsversuch ab.
Gemeinsam üben statt nur warnen
Warnungen allein bleiben selten hängen. Was hilft, ist das gemeinsame Durchspielen: Wie sähe eine falsche E-Mail der Bank aus? Was sagen Sie, wenn jemand von Microsoft anruft? Wie schließen Sie eine Seite, die den ganzen Bildschirm füllt?
Genau das machen Lektion 5 und Lektion 10 meines Videokurs „Computer verstehen“: Ihre Eltern lernen dort, eine Meldung zu prüfen, bevor sie klicken, und eine Behauptung am Telefon über einen eigenen Kontaktweg zu überprüfen. Die Lektionen lassen sich beliebig oft ansehen, auch gemeinsam mit Ihnen.
Sie müssen das nicht allein schaffen
Nicht jede Familie wohnt um die Ecke. Und nicht jeder hat die Geduld oder die Zeit, den Computer der Eltern regelmäßig durchzusehen. Wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater ohnehin immer weniger mit dem Computer zurechtkommt, lesen Sie auch, was ich rate, wenn Eltern mit dem Computer nicht zurechtkommen.
Dann kann es helfen, eine feste Ansprechperson vor Ort zu haben. Jemanden, den Ihre Eltern kennen und anrufen können, wenn ihnen etwas merkwürdig vorkommt. Bevor sie klicken, nicht erst danach.
Wie so ein Besuch abläuft, erzähle ich Ihnen in meinem Bericht über einen Hausbesuch.
Schutz vor Betrug für Ihre Eltern in Berlin-Charlottenburg
Wenn Ihre Eltern in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu ihnen nach Hause. Ich sehe mir den Computer an, stelle die wichtigsten Schutzfunktionen ein und gehe die typischen Maschen in Ruhe mit ihnen durch.
Auf Wunsch schreibe ich auch gleich den Zettel für neben den Computer. Mit einer Nummer, die man im Zweifel anrufen kann.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de. Auch dann, wenn Sie selbst nicht in Berlin wohnen und den Termin für Ihre Mutter oder Ihren Vater organisieren möchten.
Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Meine Mutter hatte neulich einen merkwürdigen Anruf.“ Dann weiß ich schon, worum es geht.


