In diesem Artikel
Frau Lehmann kommt aus der Hausarztpraxis und hat nichts in der Hand. Früher gab es am Tresen den rosa Zettel, den sie zur Apotheke an der Ecke trug. Diesmal hat die Sprechstundenhilfe nur gesagt: „Das Rezept ist auf Ihrer Karte.“
Auf der Karte? Frau Lehmann dreht ihre Gesundheitskarte in der Hand. Sie sieht aus wie immer. Ob da wirklich etwas drauf ist? Und was, wenn die Apotheke es nicht findet? Keine Sorge: Ein E-Rezept einzulösen, ist einfacher, als es klingt.
Die Sorge ist verständlich, aber unbegründet. Seit einiger Zeit gibt es Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente fast nur noch elektronisch. Das klingt nach Technik, ist im Alltag aber oft einfacher als früher: Sie stecken Ihre Karte in der Apotheke ein, und das war es.
In diesem Artikel erkläre ich die drei Wege, ein E-Rezept einzulösen, was Angehörige wissen sollten, wie lange ein Rezept gilt und woran Sie falsche E-Rezept-Nachrichten erkennen. Was Sie rund um Praxis, Krankenkasse und Behörden sonst noch online erledigen können, habe ich in meiner Sammlung zu Arzt und Amt im Internet zusammengestellt.
Kurz gesagt:
- Gesundheitskarte in der Apotheke einstecken genügt, eine PIN braucht es nicht.
- Angehörige können mit Ihrer Karte oder dem Ausdruck abholen.
- Kassenrezepte 28 Tage lang einlösen.
Was ist das E-Rezept?
Das E-Rezept ist ein ganz normales Rezept, nur ohne Papier. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt stellt es am Computer aus und unterschreibt es elektronisch. Danach liegt es in einem gesicherten Speicher im Gesundheitsnetz, nicht auf Ihrem Handy und auch nicht auf der Karte selbst. Viele verwechseln das mit der Patientenakte. Was tatsächlich in Ihrer elektronischen Patientenakte steht und wer hineinschauen darf, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Seit Anfang 2024 ist das E-Rezept für gesetzlich Versicherte der Normalfall bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Es gibt einzelne Ausnahmen, zum Beispiel für bestimmte starke Schmerzmittel, aber die meisten Rezepte kommen heute elektronisch.
Für Sie ändert sich vor allem eines: Sie müssen kein Papier mehr aufbewahren und nicht verlieren. Die Apotheke holt sich das Rezept selbst, wenn Sie ihr den Weg dorthin zeigen. Dafür gibt es drei Möglichkeiten.
Drei Wege, das Rezept einzulösen
Welchen Weg Sie nehmen, entscheiden Sie selbst. Sie können auch jedes Mal einen anderen wählen. Die Medikamente und die Zuzahlung sind in allen Fällen gleich.
Der einfachste Weg ist die Gesundheitskarte, die Sie ohnehin dabeihaben. Wer gern etwas Greifbares hat, lässt sich in der Praxis einen Ausdruck mitgeben. Und wer ein Smartphone nutzt, kann das Rezept in einer App ansehen und an eine Apotheke schicken.
Für die allermeisten Menschen reicht der erste Weg völlig. Die beiden anderen sind praktisch, wenn jemand anderes die Medikamente abholt oder wenn Sie bei einer Versandapotheke bestellen möchten.
Drei Wege zum Medikament
Sie wählen jedes Mal selbst, welcher Weg gerade passt.
- 1GesundheitskarteIn der Apotheke einstecken. Keine PIN.Die meisten, jeden Tag
- 2Ausdruck mit CodeIn der Praxis mitgeben lassen und vorzeigen.Wenn jemand anderes abholt
- 3E‑Rezept‑AppHandy mit NFC, Karte mit PIN oder GesundheitsID.Vorbestellen und liefern lassen
Gleiches Medikament, gleiche Zuzahlung, egal welcher Weg.
Weg 1: So lösen Sie das E-Rezept mit der Gesundheitskarte ein
Gehen Sie in eine Apotheke Ihrer Wahl und geben Sie Ihre Gesundheitskarte ab. Die Apotheke steckt sie in ein Lesegerät und sieht alle offenen Rezepte, die für Sie ausgestellt wurden. Dann bekommen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt.
Gut zu wissen:
- Sie brauchen dafür keine PIN. Die Karte wird nur eingesteckt.
- Die Apotheke sieht nur Ihre offenen Rezepte, nicht Ihre Krankengeschichte.
- Haben Sie mehrere Rezepte, können Sie auch nur eines davon einlösen. Die anderen bleiben gespeichert.
- Sie können jede Apotheke wählen, nicht nur die neben der Praxis.
Viele meiner Kundinnen und Kunden sind überrascht, wie unkompliziert das ist. Kein Zettel, kein Suchen in der Handtasche. Die Karte haben Sie beim Arzt ohnehin gebraucht.
Wann das Rezept auf der Karte bereitliegt
Das Rezept ist verfügbar, sobald die Praxis es elektronisch unterschrieben und abgeschickt hat. Das geht meist sofort, wenn Sie aus dem Sprechzimmer kommen. Manche Praxen unterschreiben aber mehrere Rezepte gesammelt, etwa mittags oder am Ende der Sprechstunde.
Wenn Sie also direkt von der Praxis in die Apotheke gehen und das Rezept noch nicht da ist, ist das kein Fehler. Fragen Sie in der Praxis nach, wann die Rezepte unterschrieben werden, oder kommen Sie etwas später wieder.
Ein häufiges Missverständnis: Das Rezept wird nicht auf den Chip der Karte geschrieben. Die Karte ist nur der Schlüssel, mit dem die Apotheke das Rezept im gesicherten Speicher findet. Deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn die Karte beschädigt wird. Mit einer neuen Karte sind die Rezepte weiterhin abrufbar.
Folgerezepte ohne Praxisbesuch
Wer regelmäßig dieselben Medikamente nimmt, kennt das: Die Packung geht zur Neige, und man braucht ein neues Rezept. Früher hieß das oft, den Zettel in der Praxis abzuholen.
Mit dem E-Rezept geht das einfacher. Rufen Sie in der Praxis an oder nutzen Sie, falls Ihre Praxis das anbietet, die Bestellung über die Internetseite. Wenn Ihre Karte in diesem Quartal schon einmal in der Praxis eingelesen wurde, kann die Praxis das Folgerezept ausstellen, ohne dass Sie vorbeikommen. Sie gehen dann direkt in die Apotheke.
Fragen Sie beim nächsten Besuch, wie Ihre Praxis das handhabt. Manche wollen einen Anruf, andere eine Nachricht über ein Formular. Schreiben Sie sich die Antwort auf, dann müssen Sie beim nächsten Mal nicht überlegen. Und falls Sie doch einen Termin in der Praxis brauchen, zeige ich Ihnen, wie Sie Ihren Arzttermin online buchen.

Weg 2: So lösen Sie das E-Rezept mit dem Ausdruck ein
Wenn Sie lieber etwas in der Hand halten, bitten Sie die Praxis um einen Ausdruck. Das ist ein Blatt mit einem oder mehreren quadratischen Codes, ähnlich wie auf einem Bahnticket. Jeder Code steht für ein Rezept.
In der Apotheke zeigen Sie das Blatt vor, die Apotheke scannt den Code und gibt Ihnen das Medikament. Den Ausdruck können Sie auch abfotografieren und das Foto zeigen.
Behandeln Sie den Ausdruck wie früher das Papierrezept. Wer den Code hat, kann das Rezept einlösen. Werfen Sie ihn also nicht offen in den Papiermüll, und schicken Sie ihn nicht unüberlegt per Nachricht herum.
Ein Angehöriger holt die Medikamente ab
Wenn Sie krank im Bett liegen, kann jemand anderes für Sie in die Apotheke gehen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Sie geben Ihre Gesundheitskarte mit. Die Apotheke steckt sie ein, eine PIN braucht es nicht. Oder Sie geben den Ausdruck mit dem Code mit.
Das ist besonders praktisch für Kinder, die für ihre Eltern einkaufen, oder für Nachbarn, die gerne helfen. Sprechen Sie vorher kurz ab, wer die Karte wann zurückbringt. Sie brauchen sie beim nächsten Arztbesuch wieder.
Wer die Medikamente regelmäßig für einen Angehörigen holt, kann sich auch in der E-Rezept-App die Rezepte der Familie anzeigen lassen. Das setzt aber voraus, dass beide die App eingerichtet haben.
Weg 3: So lösen Sie das E-Rezept per App ein
Es gibt eine offizielle, kostenlose App für das E-Rezept. Sie heißt „Das E-Rezept“ und stammt von der gematik, der Stelle, die für die digitalen Dienste im Gesundheitswesen zuständig ist. Laden Sie sie nur aus dem offiziellen App-Laden Ihres Handys. Achten Sie auf den Herausgeber, damit Sie keine Nachahmung erwischen. Inzwischen bieten auch viele Krankenkassen das E-Rezept in ihrer eigenen App an.
In der App sehen Sie alle Ihre Rezepte mit Namen des Medikaments und Ausstellungsdatum. Sie können ein Rezept an eine Apotheke in Ihrer Nähe schicken und sich das Medikament zurücklegen oder sogar liefern lassen. Außerdem sehen Sie, welche Rezepte Sie schon eingelöst haben.
Wie Sie bei einer App erkennen, ob sie wirklich vom richtigen Anbieter stammt, übe ich in Lektion 7 meines Videokurses „Computer verstehen“.
Was Sie für die App brauchen
Die App ist praktisch, aber die erste Anmeldung ist der aufwendigste Teil. Sie brauchen:
- Ein Smartphone mit NFC, also der Funktion, die Karten durch Auflegen lesen kann.
- Eine Gesundheitskarte, die das kontaktlos kann. Das erkennen Sie an einer sechsstelligen Nummer neben dem Chip.
- Eine PIN für die Gesundheitskarte. Die bekommen Sie auf Antrag von Ihrer Krankenkasse per Post.
- Alternativ eine sogenannte GesundheitsID, ein Zugang, den viele Krankenkassen über ihre eigene App anbieten.
Die Karten-PIN zu beantragen dauert meist einige Tage, weil die Krankenkasse Ihre Identität prüft. Planen Sie das ein. Und bewahren Sie den PIN-Brief so sicher auf wie den Brief zur Bankkarte. Wenn Sie den Online-Ausweis schon eingerichtet haben, kennen Sie das Vorgehen. Bei der Gesundheitskarte legen Sie die Karte genauso auf, wie ich es in meiner Anleitung zum Aktivieren der Online-Ausweisfunktion erkläre.
Bei einer Versandapotheke einlösen
Auch Versandapotheken können E-Rezepte annehmen. Einige nutzen dafür ein Verfahren namens CardLink. Sie halten Ihre Gesundheitskarte an das Handy, geben die sechsstellige Nummer von der Karte ein, und die App der Versandapotheke ruft das Rezept ab. Eine PIN brauchen Sie dafür nicht.
Das ist bequem, wenn Sie nicht gut zu Fuß sind oder die Medikamente ohnehin regelmäßig bestellen. Bedenken Sie aber, dass die Lieferung ein paar Tage dauern kann. Für ein Antibiotikum, das Sie heute brauchen, ist die Apotheke um die Ecke die bessere Wahl.
Bestellen Sie nur bei Versandapotheken, die Sie kennen oder die ein offizielles Sicherheitslogo für den Versandhandel tragen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in Ihrer Stammapotheke. Viele liefern inzwischen selbst nach Hause.

Wie lange ein E-Rezept gilt
Ein Kassenrezept können Sie 28 Tage lang einlösen, dann zahlt die Krankenkasse wie gewohnt und Sie nur die übliche Zuzahlung. Danach ist das Rezept meist noch bis zu drei Monate gültig, aber Sie müssen das Medikament dann selbst bezahlen. Für einzelne Rezeptarten gelten andere Fristen.
In der App sehen Sie, bis wann ein Rezept gilt. Ohne App fragen Sie einfach in der Apotheke nach. Sie kann Ihnen anhand der Karte sagen, welche Rezepte noch offen sind und wie lange.
Wer privat versichert ist, bekommt E-Rezepte nur, wenn die eigene Versicherung das schon unterstützt. Sonst gibt es weiterhin das Papierrezept. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Versicherung nach.
Vorsicht vor falschen E-Rezept-Nachrichten
Wo etwas neu ist, versuchen es auch Betrüger. Es gibt SMS und E-Mails, die behaupten, Ihr E-Rezept sei abgelaufen, müsse bestätigt oder freigeschaltet werden. Darin steht ein Link zu einer Seite, auf der Sie Daten oder Geld eingeben sollen.
Merken Sie sich: Ihre Praxis und Ihre Apotheke schicken Ihnen keine Links, über die Sie ein Rezept freischalten müssen. Ein E-Rezept kostet nichts außer der üblichen Zuzahlung in der Apotheke. Und Ihre Karten-PIN geben Sie nur in der App ein, nie auf einer Internetseite oder am Telefon.
Solche Nachrichten funktionieren genauso wie gefälschte Paket-Benachrichtigungen. Woran Sie sie erkennen, steht ausführlich im Artikel Paket-SMS bekommen? So erkennen Sie, ob es Betrug ist.
Echt oder Betrug?
- Link zum Freischalten?Betrug. Rezepte schaltet niemand per Link frei.
- Geld oder Kartendaten verlangt?Betrug. Bezahlt wird nur die Zuzahlung in der Apotheke.
- PIN gefragt?Nur in der offiziellen App eingeben, nie auf einer Seite.
Wenn das Rezept in der Apotheke nicht ankommt
Manchmal sagt die Apotheke: Hier ist nichts. Das hat fast immer einen einfachen Grund. Entweder hat die Praxis das Rezept noch nicht unterschrieben, oder es wurde auf eine andere Karte ausgestellt, etwa wenn Sie kürzlich eine neue bekommen haben.
Rufen Sie in diesem Fall in der Praxis an und fragen Sie, ob das Rezept schon abgeschickt wurde. Bitten Sie notfalls um einen Ausdruck. Gelegentlich gibt es auch technische Störungen im Gesundheitsnetz. Dann hilft meist schon eine Stunde Geduld.
Wichtig ist, dass Sie Ihre Medikamente nicht eigenmächtig absetzen, nur weil das Rezept hakt. Die Apotheke kann in dringenden Fällen oft mit der Praxis telefonieren und eine Lösung finden.
Hilfe beim E-Rezept in Berlin-Charlottenburg
Für das Einlösen mit der Karte brauchen Sie keine Hilfe, das klappt von allein. Wenn Sie aber die E-Rezept-App oder die App Ihrer Krankenkasse nutzen möchten, komme ich gern zu Ihnen nach Hause, wenn Sie in Berlin-Charlottenburg oder Umgebung wohnen. Wir richten die App gemeinsam ein, legen die Karte zum ersten Mal auf und schauen uns zusammen Ihre Rezepte an.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.


