In diesem Artikel
Herr Neumann möchte seine Rentenauskunft online ansehen. Auf der Internetseite steht: „Melden Sie sich mit Ihrem Online-Ausweis an.“ Er holt seinen Personalausweis aus dem Portemonnaie, dreht ihn um und findet nirgends einen Knopf, auf den man drücken könnte.
Dass in seinem Ausweis ein kleiner Chip steckt, mit dem er sich im Internet ausweisen kann, wusste er nicht. Und dass er die Online-Ausweisfunktion erst einmal aktivieren muss, auch nicht. Und den Brief mit der PIN, der damals mit dem Ausweis kam, hat er längst weggelegt. Irgendwo, irgendwann.
So geht es vielen. Die Online-Funktion des Personalausweises gibt es seit Jahren, aber kaum jemand nutzt sie. Dabei erspart sie Wege zum Amt, Wartezeiten und manche Briefe.
Hier erkläre ich, was der Online-Ausweis ist, was Sie dafür brauchen, wie Sie ihn einrichten und was zu tun ist, wenn die PIN nicht mehr auffindbar ist.
Für den Online-Ausweis brauchen Sie:
- Ihren Personalausweis und ein Handy mit NFC.
- Die kostenlose AusweisApp des Bundes.
- Eine eigene sechsstellige PIN statt der Transport-PIN aus dem Brief.
Was die Online-Ausweisfunktion für Sie tun kann
Jeder neuere Personalausweis hat einen kleinen Chip, den man von außen nicht sieht. Auf diesem Chip sind Ihre Ausweisdaten gespeichert, also Name, Geburtsdatum und Adresse. Mit einem passenden Handy oder Lesegerät kann der Chip diese Daten verschlüsselt an eine Behörde oder ein Unternehmen übermitteln.
Damit können Sie sich im Internet so ausweisen, als würden Sie Ihren Ausweis über den Tresen reichen. Zur Sicherheit braucht es dafür immer zwei Dinge: den Ausweis selbst und eine sechsstellige PIN, die nur Sie kennen. Ohne beides funktioniert es nicht.
Man spricht auch von der „eID-Funktion“ oder der „Online-Ausweisfunktion“. Gemeint ist immer dasselbe.
Der große Vorteil gegenüber anderen Wegen: Sie müssen nicht auf einen Brief mit einem Aktivierungscode warten und nicht persönlich irgendwo erscheinen. Was früher ein Gang zum Amt war, dauert mit dem Online-Ausweis oft nur ein paar Minuten am Küchentisch. Was Sie sonst noch bei Ämtern und Ärzten bequem von zu Hause erledigen können, zeige ich Ihnen in meinem großen Überblick zu Amt und Arzt online.
Wofür man ihn braucht
Immer mehr Behörden und Dienste bieten die Anmeldung mit dem Online-Ausweis an. Ein paar Beispiele aus dem Alltag:
- die eigene Rentenauskunft bei der Deutschen Rentenversicherung abrufen,
- sich bei ELSTER für die Steuererklärung registrieren, ohne auf einen Brief zu warten,
- Anträge bei der Stadt online stellen, etwa einen Bewohnerparkausweis,
- das Konto bei der Krankenkasse oder die elektronische Patientenakte freischalten,
- bei manchen Banken ein Konto eröffnen.
Welche Dienste genau den Online-Ausweis anbieten, steht jeweils auf deren Internetseite. Meist gibt es dort einen Knopf „Mit Online-Ausweis anmelden“ oder „Mit eID anmelden“. Wie Sie sich bei ELSTER registrieren, erkläre ich Ihnen Schritt für Schritt in einer eigenen Anleitung.
Ist die Funktion bei mir eingeschaltet?
Bei Ausweisen, die ab Mitte 2017 ausgestellt wurden, ist die Online-Funktion in der Regel von Anfang an eingeschaltet. Bei älteren Ausweisen konnte man damals wählen, ob man sie haben möchte, und viele haben abgelehnt.
Ob Ihre Funktion eingeschaltet ist, finden Sie am einfachsten mit der App heraus, die ich gleich vorstelle. Sie meldet es beim ersten Versuch. Ist die Funktion aus, kann das Bürgeramt sie nachträglich einschalten.
Ein kleiner Hinweis: Auf vielen Ausweisen ist ein kleines Symbol für den Chip aufgedruckt. Es zeigt nur, dass der Ausweis einen Chip hat. Ob die Online-Funktion eingeschaltet ist, verrät es nicht. Das sagt Ihnen zuverlässig nur die App.

Was Sie brauchen
Für die Online-Funktion brauchen Sie drei Dinge:
- Ihren Personalausweis.
- Ein Smartphone, das Karten kontaktlos lesen kann. Die meisten neueren Handys können das, die Funktion heißt NFC. Alternativ geht auch ein spezielles Kartenlesegerät am Computer.
- Die kostenlose AusweisApp des Bundes, die Sie aus dem App Store oder dem Play Store laden.
Dazu kommt die sechsstellige PIN. Wie Sie sie bekommen, steht im nächsten Abschnitt. Achten Sie beim Laden der App darauf, die offizielle App zu nehmen. Sie heißt „AusweisApp“ und wird vom Bund angeboten. Wie Sie prüfen, woher eine App stammt, zeige ich in Lektion 7 meines Videokurses „Computer verstehen“.
Der PIN-Brief: Transport-PIN und eigene PIN
Ein paar Wochen nach Ihrem neuen Ausweis kam ein Brief, der sogenannte PIN-Brief. Darin steht unter einer Rubbelfläche eine fünfstellige Transport-PIN und eine zehnstellige PUK.
Die Transport-PIN ist nur für den allerersten Schritt gedacht. In der AusweisApp ersetzen Sie sie durch eine eigene, sechsstellige PIN, die Sie sich selbst ausdenken. Erst mit dieser eigenen PIN funktioniert die Online-Anmeldung.
Die PUK brauchen Sie nur, wenn Sie die PIN dreimal falsch eingegeben haben. Bewahren Sie den Brief deshalb gut auf, an einem anderen Ort als den Ausweis selbst.
So aktivieren Sie die Online-Ausweisfunktion mit Ihrer eigenen PIN
Die Einrichtung dauert etwa zehn Minuten. Nehmen Sie sich Zeit und setzen Sie sich an einen Tisch:
- Öffnen Sie die AusweisApp auf dem Handy und wählen Sie „Meine (Transport-)PIN ändern“ oder einen ähnlich lautenden Punkt.
- Die App fragt, ob Sie eine fünfstellige Transport-PIN haben. Bestätigen Sie das.
- Legen Sie den Ausweis flach auf den Tisch und das Handy mit der Rückseite darauf. Die App zeigt, wo genau sich der Leser im Handy befindet.
- Geben Sie die fünfstellige Transport-PIN aus dem Brief ein.
- Denken Sie sich eine sechsstellige PIN aus und geben Sie sie zweimal ein.
Lassen Sie Ausweis und Handy ruhig aufeinander liegen, bis die App meldet, dass alles geklappt hat. Wird die Verbindung unterbrochen, schieben Sie das Handy langsam ein Stück hin und her, bis die App den Ausweis wieder erkennt.
Eine gute PIN wählen
Die sechsstellige PIN schützt Ihren Ausweis im Internet. Sie sollte nicht leicht zu erraten sein. Ihr Geburtsdatum, 123456 oder 111111 sind keine gute Wahl.
Besser ist eine Zahl, die für Sie eine Bedeutung hat, für andere aber nicht: die alte Telefonnummer der Großeltern, zwei Postleitzahlen, die Ihnen etwas bedeuten, oder die Hausnummern zweier Wohnungen, in denen Sie gelebt haben. Wie man sich Geheimzahlen gut merkt, ohne sie leicht erratbar zu machen, zeige ich Ihnen auch in meinen Tipps für merkbare, starke Passwörter.
Schreiben Sie die PIN nicht auf den Ausweis und nicht in die Hülle des Handys. Wenn Sie sie notieren möchten, dann auf einem Zettel bei Ihren wichtigen Unterlagen zu Hause.
Was im PIN-Brief steht
Drei Werte stehen auf dem Brief, den vierten denken Sie sich selbst aus.
Ihr PIN-Brief
Rubbelfeld vorsichtig freilegen
- 1Transport-PIN
- 4 8 2 1 7
- 2PUK
- 9 3 0 6 1 5 8 2 4 7
- 3Sperrkennwort
- HUGOVOGEL
- 1Transport-PIN, 5 StellenNur für den ersten Schritt. In der AusweisApp durch eine eigene, sechsstellige PIN ersetzen.
- 2PUK, 10 StellenEntsperrt die PIN nach drei falschen Versuchen.
- 3SperrkennwortFür den Sperr-Notruf 116 116, wenn der Ausweis verloren geht.
- ★Ihre eigene PIN, 6 StellenSteht nirgends gedruckt. Nur Sie kennen sie, und Sie brauchen sie bei jeder Anmeldung.
So läuft eine Anmeldung ab
Wenn alles eingerichtet ist, ist die eigentliche Anmeldung kurz. Sie klicken auf der Internetseite einer Behörde auf „Mit Online-Ausweis anmelden“. Auf dem Computer erscheint dann meist ein Code oder ein Hinweis, das Handy zu verbinden. Auf dem Handy öffnet sich die AusweisApp.
Die App zeigt Ihnen, wer welche Daten abfragen möchte, zum Beispiel „Deutsche Rentenversicherung: Name, Anschrift, Geburtsdatum“. Lesen Sie das kurz. Dann legen Sie den Ausweis ans Handy und geben die sechsstellige PIN ein. Fertig.
Wichtig: Geben Sie Ihre PIN nur in der AusweisApp ein, nie auf einer Internetseite, in einer E-Mail oder am Telefon. Niemand von einer Behörde fragt Sie jemals nach dieser PIN.
PIN vergessen oder Brief verloren
Ist der PIN-Brief nicht mehr auffindbar, oder haben Sie die eigene PIN vergessen, ist das kein Drama. Im Bürgeramt kann eine neue PIN gesetzt werden. Bringen Sie dafür Ihren Ausweis mit. In vielen Bürgerämtern geht das an einem Gerät vor Ort, ohne dass Sie lange warten müssen.
Ob Sie dafür einen Termin brauchen und ob es etwas kostet, steht auf der Seite Ihres Bürgeramts. Wie Sie online einen Termin beim Bürgeramt Charlottenburg buchen, zeige ich Ihnen gesondert.
Haben Sie die PIN dreimal falsch eingegeben, ist sie gesperrt. Dann hilft die PUK aus dem PIN-Brief. Ohne PUK führt der Weg ebenfalls ins Bürgeramt.
Ist Ihr Online-Ausweis startklar?
- Eigene PIN gesetzt?Sechs Stellen, in der AusweisApp eingerichtet.
- PIN-Brief aufgehoben?Mit PUK und Sperrkennwort, getrennt vom Ausweis.
- Probe gemacht?Einmal anmelden, etwa bei der Rentenauskunft.
Ist das sicher?
Die Online-Funktion gilt als sehr sicher. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, und ohne den Ausweis in der Hand und die PIN im Kopf kann niemand sie nutzen. Selbst wer Ihre PIN kennt, kommt ohne den Ausweis nicht weiter, und umgekehrt.
Wenn Ihr Ausweis verloren geht oder gestohlen wird, lassen Sie die Online-Funktion sperren. Das geht rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 und natürlich im Bürgeramt. Für die Sperrung brauchen Sie das Sperrkennwort, das ebenfalls im PIN-Brief steht.
Vorsicht ist eher bei der Umgebung geboten: Betrüger versuchen gelegentlich, mit gefälschten Seiten an PIN und Ausweisdaten zu kommen. Die Regel lautet deshalb wie beim Online-Banking: Seiten nur selbst aufrufen, nicht über Links in E-Mails.
Was Sie in der Schublade aufbewahren sollten
Rund um den Online-Ausweis gibt es ein paar Unterlagen, die man selten braucht, im Ernstfall aber sofort. Legen Sie sie gemeinsam an einen festen Ort, zum Beispiel in die Mappe mit Ihren wichtigen Papieren:
- den PIN-Brief mit PUK und Sperrkennwort,
- einen Zettel mit Ihrer eigenen sechsstelligen PIN, falls Sie sie notieren möchten,
- eine Kopie der Vorder- und Rückseite des Ausweises,
- die Nummer des Sperr-Notrufs 116 116,
- den Namen des Handys, auf dem die AusweisApp installiert ist.
Wichtig ist nur, dass dieser Ort nicht im Portemonnaie oder in der Handtasche ist, wo auch der Ausweis steckt. Geht die Tasche verloren, sollen Ausweis und PIN nicht gemeinsam in fremde Hände geraten.

Auch für Angehörige nützlich
Der Online-Ausweis ist immer persönlich. Kinder oder Enkel können ihn nicht für ihre Eltern benutzen, und das ist auch gut so. Sie können aber bei der Einrichtung helfen, das Handy halten, die App erklären und beim ersten Mal danebensitzen.
Wer seinen Eltern hilft, sollte sich die PIN nicht nennen lassen, sondern die Eltern selbst tippen lassen. So bleibt die PIN ein Geheimnis, und die Eltern lernen den Ablauf, den sie später allein brauchen.
Ein guter Einstieg ist eine Anmeldung, bei der nichts schiefgehen kann, etwa das Ansehen der eigenen Rentenauskunft. Danach traut man sich auch an einen echten Antrag. Wie Sie dort auch Ihren Versicherungsverlauf bekommen, zeige ich Ihnen im Artikel So fordern Sie Ihren Rentenversicherungsverlauf online an.
Wenn das Handy den Ausweis nicht erkennt
Das häufigste Problem bei der Einrichtung: Das Handy findet den Ausweis nicht. Meist liegt es an der Position. Der Leser sitzt bei vielen Handys in der Mitte der Rückseite, bei manchen weiter oben. Die AusweisApp zeigt das an.
Nehmen Sie die Handyhülle ab, besonders wenn sie dick ist oder eine Metallplatte für eine Halterung hat. Legen Sie den Ausweis auf eine Unterlage aus Holz oder Stoff, nicht auf einen Metalltisch. Und schalten Sie in den Einstellungen des Handys NFC ein, falls es aus ist.
Klappt es gar nicht, kann es sein, dass Ihr Handy die Funktion nicht hat. Dann hilft ein anderes Handy aus der Familie, denn der Ausweis ist an kein bestimmtes Gerät gebunden.
Hilfe beim Online-Ausweis in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause. Ich installiere mit Ihnen die AusweisApp, richte die eigene PIN ein und zeige Ihnen an einem echten Beispiel, wie die Anmeldung bei der Rentenversicherung oder bei ELSTER funktioniert.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Ich möchte mich mit dem Personalausweis online anmelden und weiß nicht, wie.“ Damit weiß ich schon ziemlich viel.


