In diesem Artikel
Frau Kowalski wartet auf ein Paket. Ihre Tochter hat ihr ein neues Kissen bestellt, und es soll diese Woche kommen. Am Dienstagmorgen piept das Handy: „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Bitte bestätigen Sie Ihre Adresse hier.“ Darunter ein Link.
Frau Kowalski tippt fast schon darauf. Dann fällt ihr ein, dass sie den ganzen Vormittag zu Hause war und niemand geklingelt hat. Sie legt das Handy weg und ruft ihre Tochter an. Die Nachricht war gefälscht. Ein typischer Paket-SMS-Betrug.
Solche Nachrichten gehören zu den häufigsten Betrugsversuchen überhaupt. Sie kommen per SMS, per WhatsApp oder per E-Mail, und sie treffen oft genau den Moment, in dem man wirklich auf ein Paket wartet. Das ist kein Zufall, sondern reine Masse: Wer Hunderttausende Nachrichten verschickt, erwischt immer jemanden, der gerade etwas bestellt hat.
In diesem Artikel zeige ich, woran Sie eine falsche Zustell-Nachricht erkennen, wie Sie in einer Minute prüfen, ob wirklich ein Paket unterwegs ist, und was zu tun ist, wenn Sie schon auf den Link getippt haben.
Das Wichtigste in Kürze:
- Auf Paket-Nachrichten nie tippen.
- Ob ein Paket kommt, steht in Ihrer Bestell-E-Mail.
- Kein Paketdienst verlangt per SMS eine Gebühr.
So sieht ein Paket-SMS-Betrug aus
Die Nachrichten sind kurz und klingen sachlich. Typische Sätze sind „Ihre Sendung wartet auf Bestätigung“, „Zustellung fehlgeschlagen, bitte Adresse aktualisieren“ oder „Für Ihr Paket fällt eine Gebühr von 1,99 Euro an“. Fast immer folgt ein Link, auf den Sie tippen sollen.
Oft nennen die Betrüger einen bekannten Paketdienst, manchmal schreiben sie nur „Ihr Paketdienst“ oder „Zustellservice“. Der Absender ist eine unbekannte Handynummer, nicht selten aus dem Ausland, oder eine E-Mail-Adresse, die mit dem Paketdienst nichts zu tun hat.
Hinter dem Link steckt eine Internetseite, die dem echten Paketdienst täuschend ähnlich sieht. Dort sollen Sie Ihren Namen, Ihre Adresse und am Ende Ihre Bankkarten- oder Kreditkartendaten eingeben, angeblich für eine kleine Gebühr. In Wahrheit geht es um Ihre Kartendaten. Mit denen kaufen die Betrüger anschließend auf Ihre Kosten ein.
Eine zweite Variante zielt auf Android-Handys. Dort fordert die Seite dazu auf, eine App zu installieren, angeblich um die Sendung zu verfolgen. Diese App ist ein Schadprogramm, das Nachrichten mitliest oder sich selbst an Ihre Kontakte weiterschickt.
Warum die Masche so gut funktioniert
Die Betrüger wissen nicht, ob Sie gerade ein Paket erwarten. Sie verschicken ihre Nachrichten einfach an sehr viele Nummern. Weil heute fast jeder regelmäßig etwas bestellt oder geschickt bekommt, passt die Nachricht bei vielen Empfängern zufällig genau.
Dazu kommt der kleine Betrag. Wer 1,99 Euro zahlen soll, denkt nicht lange nach. Das wirkt harmlos und vernünftig, man will das Paket ja haben. Genau diese Gutmütigkeit nutzen die Betrüger aus. Der Betrag selbst ist ihnen egal, sie wollen nur die Kartendaten. Mit welchen anderen Tricks Betrüger an Ihre Daten wollen, zeige ich Ihnen in meiner großen Übersicht zum Schutz vor Betrug.
Und schließlich der Zeitdruck. Viele Nachrichten drohen damit, dass das Paket sonst zurückgeschickt wird oder nach wenigen Tagen verfällt. Wer unter Druck steht, prüft weniger genau. Das ist bei allen Betrugsmaschen gleich, ob es die angebliche Bank am Telefon ist oder das angebliche Kind mit neuer Nummer, über das ich ebenfalls geschrieben habe. beschrieben.

Fünf Merkmale einer falschen Zustell-Nachricht
Keines dieser Merkmale allein beweist einen Betrug. Treffen aber zwei oder drei zusammen, können Sie sicher sein:
- Sie haben Ihre Handynummer nie angegeben. Ein Paketdienst schreibt Ihnen nur, wenn Sie Ihre Nummer selbst beim Händler oder in der App des Dienstes hinterlegt haben.
- Es soll Geld gezahlt werden. Für eine normale Zustellung verlangt kein Paketdienst per SMS eine Gebühr.
- Die Nachricht ist allgemein gehalten. Es steht kein Name eines Händlers darin, keine Sendungsnummer, die Sie kennen, und oft nicht einmal Ihr Name.
- Der Link führt auf eine fremde Adresse. Er endet nicht auf die bekannte Adresse des Paketdienstes, sondern auf etwas Zusammengesetztes mit Bindestrichen oder seltsamen Endungen.
- Es wird gedrängt. „Nur noch heute“, „letzte Benachrichtigung“, „Ihr Paket wird zurückgeschickt“.
Ein weiteres Zeichen sind kleine Fehler in der Sprache: ein fehlendes Wort, eine seltsame Großschreibung, ein Umlaut, der nicht richtig dargestellt wird. Inzwischen sind viele Nachrichten aber fehlerfrei. Verlassen Sie sich darauf also nicht.
Eine typische gefälschte Paket-SMS
Fünf Warnzeichen in einer einzigen Nachricht.
+44 7700 900123
Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Für die erneute Zustellung fällt eine Gebühr von 1,99 € an. Bitte bis heute 23:59 Uhr bestätigen: paket-musterdienst.top/a7x
- Unbekannter Absender Eine fremde Handynummer, oft aus dem Ausland. Ihr Paketdienst schreibt nur, wenn Sie ihm Ihre Nummer gegeben haben.
- Kein Händler, kein Name Es steht nicht darin, was Sie wo bestellt haben, und auch nicht Ihr Name.
- Eine Gebühr Für eine normale Zustellung verlangt kein Paketdienst per SMS Geld.
- Zeitdruck „Bis heute“ soll Sie zum schnellen Tippen bringen.
- Fremde Adresse Der Link führt nicht zur bekannten Seite eines Paketdienstes.
Woran Sie die echte Adresse erkennen
Das zuverlässigste Merkmal ist die Adresse hinter dem Link. Auf dem Handy sehen Sie sie, wenn Sie den Link lange gedrückt halten, ohne loszulassen. Dann erscheint ein kleines Fenster mit der vollständigen Adresse. Tippen Sie dort nicht auf „Öffnen“, sondern lesen Sie nur.
Entscheidend ist der Teil direkt vor dem ersten einzelnen Schrägstrich. Bei einem echten Paketdienst steht dort genau dessen bekannter Name mit „.de“ oder „.com“. Bei einer Fälschung steht dort etwas anderes, oft ein Name, der nur so ähnlich klingt, oder der richtige Name mit einem Zusatz wie „‑zustellung“ oder „‑sendung“ und einer fremden Endung.
Noch einfacher ist es, gar nicht erst nachzusehen, sondern dem Link grundsätzlich nicht zu folgen. Wenn Sie wissen wollen, ob ein Paket kommt, gibt es bessere Wege, und um die geht es im nächsten Abschnitt.
So prüfen Sie, ob wirklich ein Paket kommt
Wenn Sie etwas bestellt haben, haben Sie vom Händler meist eine Bestätigung per E-Mail bekommen. Darin steht in der Regel auch, mit welchem Paketdienst die Sendung kommt, oft mit einer Sendungsnummer und einem Link zur Sendungsverfolgung.
Diese E-Mail ist Ihre zuverlässige Quelle. Öffnen Sie sie, schauen Sie, was dort zur Lieferung steht, und vergleichen Sie es mit der SMS. Passt nichts zusammen, ist die SMS gefälscht.
Haben Sie keine Bestellbestätigung, etwa weil jemand anderes etwas für Sie bestellt hat, dann fragen Sie diese Person einfach. Ein kurzer Anruf bei der Tochter oder beim Nachbarn klärt mehr als jeder Blick auf den Link.
Und wenn Sie sich bei einem Paketdienst selbst informieren möchten, rufen Sie dessen Internetseite selbst auf, indem Sie die Adresse eintippen oder ein gespeichertes Lesezeichen verwenden, oder öffnen Sie die App, die Sie selbst installiert haben. Dort können Sie mit einer echten Sendungsnummer nachsehen. Eine Nummer aus einer verdächtigen SMS geben Sie dort aber besser nicht ein.
Wenn Sie auf den Link getippt haben
Das Tippen allein ist meist noch nicht schlimm. Es öffnet sich eine Internetseite, und solange Sie dort nichts eingeben und nichts installieren, ist in aller Regel nichts passiert. Schließen Sie die Seite einfach und löschen Sie die Nachricht.
Etwas anders ist es, wenn Sie auf einem Android-Handy dazu aufgefordert wurden, eine App zu installieren, und das auch getan haben. Dann sollten Sie handeln: Schalten Sie das Handy in den Flugmodus, damit die App keine Nachrichten mehr verschicken kann, und holen Sie sich Hilfe, um die App zu entfernen. Ein Neustart allein reicht hier nicht.
Was nach einem Klick auf einen verdächtigen Link allgemein zu tun ist, beschreibe ich ausführlich für den Fall, dass Sie eine Spam-Mail mit dem Handy geöffnet haben. Die Grundregel gilt auch hier: Ruhe bewahren, nichts weiter eingeben, nachsehen, was wirklich passiert ist.
Wenn Sie Daten eingegeben haben
Haben Sie auf der gefälschten Seite Ihre Karten- oder Kontodaten eingegeben, zählt jede Stunde. Tun Sie das Folgende möglichst sofort:
- Rufen Sie Ihre Bank unter der Nummer auf der Rückseite Ihrer Karte an und lassen Sie die Karte sperren.
- Außerhalb der Geschäftszeiten hilft der Sperr-Notruf 116 116, rund um die Uhr und kostenlos.
- Sehen Sie in den nächsten Tagen Ihre Kontoumsätze genau durch und melden Sie jede unbekannte Abbuchung sofort der Bank.
- Haben Sie ein Passwort eingegeben, ändern Sie es überall, wo Sie es verwenden.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, in Berlin auch bequem über die Internetwache.
Bei unberechtigten Abbuchungen mit einer Kreditkarte können Sie das Geld oft zurückbekommen, wenn Sie schnell reagieren. Ihre Bank berät Sie, welche Schritte dafür nötig sind. Wie Sie beim Einkaufen im Internet sicher online bezahlen und welche Zahlungsart Sie dabei schützt, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel. Schämen müssen Sie sich nicht. Diese Seiten sind so gemacht, dass sie echt wirken, und sie haben schon sehr vorsichtige Menschen getäuscht.
Ein Wort noch zu Ihrem Namen und Ihrer Adresse: Auch wenn Sie nur diese eingegeben haben, kann es sein, dass in den nächsten Wochen weitere Betrugsversuche kommen, etwa Anrufe oder Briefe, die besonders glaubwürdig wirken, weil der Absender Ihren Namen kennt. Bleiben Sie in dieser Zeit besonders aufmerksam.
So melden Sie den Paket-SMS-Betrug und löschen die Nachricht
Eine gefälschte Nachricht müssen Sie nicht beantworten, auch nicht mit „Stopp“. Jede Antwort zeigt den Betrügern nur, dass Ihre Nummer benutzt wird.
Auf den meisten Handys können Sie die Nachricht als Spam melden. Bei Android-Handys finden Sie dafür in der Nachrichten-App meist den Punkt „Spam melden und blockieren“, beim iPhone erscheint unter Nachrichten von unbekannten Absendern oft ein Hinweis „Junk melden“. Danach können Sie die Nachricht löschen.
Wer mehr tun möchte, kann die Nachricht bei der Bundesnetzagentur melden, die für Missbrauch von Telefonnummern zuständig ist. Auf deren Internetseite gibt es dafür ein Formular. Auch die Verbraucherzentralen sammeln gefälschte Nachrichten, um vor neuen Maschen zu warnen. Pflicht ist das nicht. Das Wichtigste ist, dass Sie selbst nicht darauf hereinfallen.
Die Masche gibt es auch im Briefkasten und per E-Mail
Dieselben Betrüger arbeiten nicht nur mit SMS. Per E-Mail kommen Nachrichten, die wie eine Versandbestätigung aussehen, mit Logo und allem. Auch hier gilt: Nicht auf den Link klicken, sondern über die echte Bestellbestätigung oder die selbst aufgerufene Seite prüfen. Woran Sie gefälschte E-Mails ganz allgemein erkennen, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.
Seltener, aber besonders tückisch sind gefälschte Benachrichtigungskarten im Briefkasten, auf denen ein QR-Code abgedruckt ist. Wer ihn mit dem Handy abfotografiert, landet ebenfalls auf einer gefälschten Seite. Eine echte Karte vom Paketdienst nennt fast immer die Filiale oder den Nachbarn, bei dem das Paket liegt. Im Zweifel gehen Sie mit der Karte direkt dorthin.
Und manchmal rufen die Betrüger auch an, angeblich vom Zoll, weil für ein Paket aus dem Ausland noch Gebühren offen seien. Der Zoll ruft Sie nicht an, um Geld einzufordern. Legen Sie auf.

Eine einfache Gewohnheit für die Zukunft
Am besten schützt Sie eine feste Regel: Auf Paket-Nachrichten tippe ich nie. Wenn ich wissen will, wo mein Paket ist, schaue ich in die Bestell-E-Mail oder in die App, die ich selbst installiert habe.
Diese Regel ist so einfach, dass man sie auch im Alltag nicht vergisst. Sie gilt für SMS, für WhatsApp und für E-Mail gleichermaßen. Und sie schützt nicht nur vor der Paket-Masche, sondern vor fast allen Nachrichten, die Sie zu einem schnellen Klick bewegen wollen. Dazu gehören auch angebliche SMS zu einem Rezept. Welche echten Wege es gibt, ein Rezept ohne Papier in der Apotheke einzulösen, habe ich in einem eigenen Artikel erklärt.
Genau diesen Gedanken, erst zu prüfen, was eine Nachricht von Ihnen will, und dann zu entscheiden, übe ich in Lektion 5 meines Videokurses „Computer verstehen“. Dort sehen Sie an Beispielen, wie man eine Meldung in Ruhe liest, bevor man darauf reagiert.
Paket-Nachricht bekommen?
- Nicht auf den Link tippen.Auch nicht, um „nur mal zu schauen“.
- In die Bestell-E-Mail schauen.Dort steht, welcher Dienst wirklich liefert.
- Nie Kartendaten eingeben.Kein Paketdienst will per SMS Geld.
Hilfe in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen und unsicher sind, ob eine Nachricht echt ist, rufen Sie mich gern an. Ich schaue mir mit Ihnen an, was auf Ihrem Handy angekommen ist, richte auf Wunsch einen Spam-Schutz ein und zeige Ihnen, wie Sie die Sendungsverfolgung sicher nutzen. Und falls doch schon etwas passiert ist, gehen wir die nötigen Schritte gemeinsam in Ruhe durch.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.


