In diesem Artikel
Herr Schmidt hat einen neuen Laptop bekommen. Alles ist eingerichtet, nur die E-Mails fehlen noch. Er öffnet die Seite seines E-Mail-Anbieters, tippt seine Adresse ein und bleibt beim Passwort hängen. Auf dem alten Computer musste er es nie eingeben, das Programm hat es sich gemerkt. Jetzt probiert er den Geburtstag seiner Frau, den Namen des Hundes, die alte Postleitzahl. Nach dem dritten Versuch erscheint ein Hinweis, er solle es später noch einmal versuchen. Dabei hätte er nur wissen müssen, wo man sein E-Mail-Passwort sieht.
Ein vergessenes E-Mail-Passwort gehört zu den häufigsten Anliegen, mit denen ich gerufen werde. Und es fühlt sich schlimmer an, als es ist. Denn an der E-Mail hängen heute viele andere Dinge: Rechnungen, Termine, die Nachrichten der Familie. Was Ihnen sonst noch rund um Ihr Postfach weiterhilft, zeige ich Ihnen in meinen Anleitungen rund um E-Mail.
Die gute Nachricht: Fast immer gibt es einen Weg zurück ins Postfach. Welcher das ist, hängt davon ab, was Sie bei Ihrem Anbieter hinterlegt haben und ob das Passwort vielleicht noch irgendwo gespeichert ist.
Hier erkläre ich, wo Sie zuerst nachsehen, wie das Zurücksetzen Schritt für Schritt funktioniert, was zu tun ist, wenn die Handynummer nicht mehr stimmt, und wie Sie dafür sorgen, dass Sie beim nächsten Mal nicht wieder suchen müssen.
Das Wichtigste vorweg:
- Nicht weiter raten, sonst sperrt der Anbieter die Anmeldung.
- Über Passwort vergessen kommt ein Code aufs Handy oder an eine Ersatz-Adresse.
- Den Code nie am Telefon weitergeben.
Erst durchatmen: Ihr Postfach ist nicht verloren
Wenn das Passwort nicht mehr einfällt, ist das Postfach nicht weg. Alle Ihre E-Mails liegen weiterhin beim Anbieter, sicher verschlossen. Es fehlt nur der Schlüssel, und den kann man in den meisten Fällen neu anfertigen lassen.
Wichtig ist, jetzt nicht wild weiter zu raten. Nach mehreren falschen Versuchen sperren viele Anbieter die Anmeldung für eine Weile, um Ihr Postfach vor Fremden zu schützen. Das ist gut gemeint, macht die Sache aber nicht leichter.
Nehmen Sie sich stattdessen einen Moment Zeit, legen Sie Ihr Handy bereit und lesen Sie weiter. Meist dauert der Weg zurück nur wenige Minuten.
Drei Wege zurück ins Postfach
Welcher Weg für Sie passt, hängt davon ab, was Sie bei der Einrichtung Ihres Postfachs angegeben haben. Die meisten Anbieter fragen dabei nach einer Handynummer oder einer zweiten E-Mail-Adresse, die man im Notfall verwenden kann.
Ist eine Handynummer hinterlegt, bekommen Sie einen Code per SMS. Ist eine Ersatz-Adresse hinterlegt, kommt ein Link per E-Mail dorthin. Ist gar nichts hinterlegt, bleibt meist nur eine Prüfung Ihrer Person durch den Anbieter.
Viele wissen nicht mehr, was sie damals angegeben haben. Das macht nichts. Der Anbieter zeigt Ihnen beim Zurücksetzen, welche Wege für Ihr Konto möglich sind, oft mit einem Teil der Handynummer oder Adresse zur Erinnerung. Kommt der Link an Ihre Ersatz-Adresse nicht im Posteingang an, lohnt sich ein Blick in den Spam-Ordner. Wie Sie Ihre E-Mail im Spam-Ordner finden und retten, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Welcher Weg zurück ins Postfach führt
Es hängt davon ab, was Sie damals bei Ihrem Anbieter hinterlegt haben.
Passwort vergessen?
- Handynummer hinterlegt?Code per SMS, meist in einer Minute da
- Ersatz‑E‑Mail hinterlegt?Link kommt an die andere Adresse
- Nichts mehr erreichbar?Prüfung durch den Anbieter, dauert länger
Wo Sie Ihr E-Mail-Passwort sehen – oft ist es noch gespeichert
Bevor Sie ein neues Passwort anlegen, lohnt sich ein Blick auf Ihre anderen Geräte. Vielleicht ist Ihr Handy noch mit dem Postfach verbunden, oder der alte Computer zeigt Ihre E-Mails noch an. Dann haben Sie zumindest weiter Zugriff auf Ihre Nachrichten, während Sie das Passwort klären.
Viele Browser und E-Mail-Programme speichern Passwörter. Im Browser finden Sie sie meist in den Einstellungen unter Passwörter oder Passwortmanager, im Programm Thunderbird unter Einstellungen, Datenschutz und Sicherheit, Gespeicherte Passwörter. Zum Anzeigen fragt der Computer oft nach dem Passwort Ihres Benutzerkontos.
Und natürlich: Schauen Sie in Ihr Passwortheft, in den Ordner mit den Unterlagen Ihres Anbieters oder auf den Zettel, den Ihnen jemand bei der Einrichtung gegeben hat. Manchmal liegt die Lösung näher, als man denkt.
Das Passwort zurücksetzen – Schritt für Schritt
Ist das Passwort nirgends zu finden, setzen Sie es zurück. Bei allen großen Anbietern läuft das ähnlich ab:
- Öffnen Sie die Anmeldeseite Ihres Anbieters im Browser. Tippen Sie die Adresse selbst ein, statt einem Link zu folgen.
- Klicken Sie unter dem Passwortfeld auf Passwort vergessen.
- Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein und wählen Sie, wohin der Code geschickt werden soll.
- Tippen Sie den Code aus der SMS oder der E-Mail ein und vergeben Sie ein neues Passwort.
Schreiben Sie das neue Passwort sofort auf, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Und melden Sie sich danach einmal ab und wieder an, um zu prüfen, ob es wirklich funktioniert.

Der Code per SMS: so klappt es
Der Code kommt meist innerhalb einer Minute als kurze Nachricht auf Ihr Handy. Er besteht aus sechs bis acht Ziffern und gilt nur für wenige Minuten. Lassen Sie sich also nicht zu viel Zeit, sonst müssen Sie einen neuen anfordern.
Kommt keine SMS, prüfen Sie zuerst, ob Ihr Handy Empfang hat, und warten Sie ein paar Minuten. Fordern Sie dann einen neuen Code an. Gültig ist immer nur der zuletzt geschickte, ältere Codes funktionieren nicht mehr.
Ganz wichtig: Geben Sie diesen Code niemals am Telefon an jemanden weiter. Kein Anbieter ruft Sie an und fragt danach. Wer den Code von Ihnen verlangt, will in Ihr Postfach.
Wenn die Handynummer nicht mehr stimmt
Häufig ist eine alte Nummer hinterlegt, etwa vom früheren Handyvertrag oder vom Festnetz. Dann kommt der Code nicht bei Ihnen an. Probieren Sie in diesem Fall die anderen Wege:
- eine hinterlegte Ersatz-E-Mail-Adresse, etwa die Ihrer Tochter oder eine ältere eigene Adresse,
- einen anderen Computer oder ein Handy, auf dem Sie noch angemeldet sind,
- die Prüfung Ihrer Person, die manche Anbieter anbieten, zum Beispiel mit dem Personalausweis,
- den Kundendienst Ihres Anbieters, wenn Sie dort ein kostenpflichtiges Paket haben.
Rechnen Sie bei diesen Wegen damit, dass es länger dauert, manchmal mehrere Tage. Das ist ärgerlich, aber auch ein Schutz: Ein Fremder soll Ihr Postfach nicht so leicht übernehmen können.
Was die großen Anbieter anbieten
Bei GMX und WEB.DE führt der Link Passwort vergessen durch die Wege, die für Ihr Konto möglich sind: Code per SMS an die hinterlegte Handynummer oder Link an die Kontakt-E-Mail-Adresse. Sind beide nicht mehr erreichbar, bieten die Anbieter eine Prüfung mit dem Ausweis an, wenn Ihre hinterlegten Angaben dazu passen.
Bei Gmail heißt der Vorgang Kontowiederherstellung. Google stellt Ihnen dabei Fragen, um zu prüfen, ob Sie wirklich der Inhaber sind, etwa nach einem früheren Passwort oder wann Sie das Konto angelegt haben. Beantworten Sie die Fragen so genau wie möglich, am besten an dem Gerät und Ort, an dem Sie sonst auch Ihre E-Mails lesen. Eine Telefonnummer, unter der Google das Konto für Sie zurückholt, gibt es nicht.
Bei T-Online und Outlook finden Sie den Weg ebenfalls auf der offiziellen Anmeldeseite. Folgen Sie dort den Hinweisen und meiden Sie Seiten von Drittanbietern, die gegen Geld Hilfe beim Zurückholen versprechen.
So wählen Sie ein gutes neues E-Mail-Passwort
Das neue Passwort sollte lang sein und nichts enthalten, das andere über Sie wissen, also keine Namen, Geburtstage oder Adressen. Ein guter Trick ist ein Satz, den Sie sich leicht merken, etwa die ersten Buchstaben eines Liedes mit einer Zahl dazu.
Verwenden Sie das E-Mail-Passwort nirgendwo sonst. Wer Zugriff auf Ihr Postfach hat, kann über Passwort vergessen viele andere Konten übernehmen. Deshalb ist gerade dieses Passwort besonders wertvoll.
Schreiben Sie es auf und bewahren Sie es sicher auf. Wie Sie Ihre Zugangsdaten ordentlich aufbewahren und den Überblick behalten, zeige ich Ihnen in einer eigenen Anleitung.
Das neue Passwort überall eintragen
Nach dem Zurücksetzen gilt das alte Passwort nirgends mehr. Geräte, die bisher mit dem alten Passwort Ihre E-Mails abgerufen haben, melden sich deshalb bald mit einer Fehlermeldung. Denken Sie an:
- die E-Mail-App auf Ihrem Handy,
- das Tablet, falls Sie dort E-Mails lesen,
- das E-Mail-Programm auf dem Computer, etwa Outlook oder Thunderbird,
- den Computer Ihres Partners, falls Sie das Postfach gemeinsam nutzen.
Meist fragt das Gerät von selbst nach dem neuen Passwort. Tippen Sie es dort ein, und alles läuft wieder wie vorher.
Vorsicht vor falschen Rücksetz-E-Mails
Betrüger kennen die Sorge um das E-Mail-Postfach. Sie verschicken Nachrichten mit Betreffzeilen wie Ihr Passwort läuft ab oder Ihr Konto wird gesperrt und einem Link, über den Sie angeblich Ihr Passwort erneuern sollen. Dahinter steckt eine gefälschte Seite, die Ihr Passwort abgreift.
Setzen Sie Ihr Passwort deshalb nur zurück, wenn Sie selbst den Vorgang gestartet haben. Kommt eine solche E-Mail unaufgefordert, löschen Sie sie. Wie man solche Meldungen prüft, übe ich in Lektion 5 meines Videokurses „Computer verstehen“.
Wie Sie ganz allgemein betrügerische E-Mails durchschauen, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Echt oder Betrug?
- Sie haben selbst auf Passwort vergessen geklickt?Dann ist der Code echt.
- Die E‑Mail kommt unaufgefordert?Löschen, nicht auf den Link klicken.
- Jemand fragt am Telefon nach dem Code?Auflegen. Kein Anbieter fragt danach.
Jetzt vorsorgen, damit es nicht wieder passiert
Wenn Sie wieder im Postfach sind, nehmen Sie sich fünf Minuten für die Vorsorge. In den Einstellungen Ihres Kontos, meist unter Sicherheit oder Konto, können Sie Ihre Handynummer und eine Ersatz-E-Mail-Adresse eintragen oder aktualisieren.
Prüfen Sie dort, ob die Handynummer noch stimmt. Eine Ersatz-Adresse kann auch die eines Familienmitglieds sein, dem Sie vertrauen. Dann kann diese Person Ihnen im Notfall den Link weiterleiten.
Und schreiben Sie in Ihr Passwortheft nicht nur das Passwort, sondern auch, bei welchem Anbieter Ihr Postfach liegt und welche Handynummer hinterlegt ist. Dann ist beim nächsten Mal alles beisammen.

Zusätzlicher Schutz: die Anmeldung in zwei Schritten
Viele Anbieter bieten an, die Anmeldung mit einem zweiten Schritt abzusichern. Dann reicht das Passwort allein nicht mehr. Bei einer Anmeldung auf einem neuen Gerät kommt zusätzlich ein Code aufs Handy, oder Sie bestätigen die Anmeldung in einer App. Was hinter dieser Zwei-Faktor-Authentifizierung steckt und ob Sie sie brauchen, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Das klingt umständlich, ist im Alltag aber kaum zu spüren. Auf Ihren eigenen Geräten müssen Sie den zweiten Schritt meist nur einmal erledigen. Ein Fremder, der Ihr Passwort irgendwie erfahren hat, kommt dagegen nicht ins Postfach, weil ihm Ihr Handy fehlt.
Wichtig ist nur, dass die hinterlegte Handynummer stimmt und Sie bei einem Handywechsel daran denken. Wer das Handy wechselt, sollte vorher prüfen, ob die Bestätigung auch auf dem neuen Gerät ankommt. Sonst sperrt man sich mit der besten Absicht selbst aus.
Wenn wirklich nichts mehr geht
In seltenen Fällen lässt sich ein Postfach nicht zurückholen, etwa wenn keinerlei Daten hinterlegt sind und das Konto sehr alt ist. Das ist bitter, aber kein Weltuntergang. Sie können eine neue E-Mail-Adresse anlegen und sie nach und nach überall eintragen.
Informieren Sie dann Familie, Freunde und wichtige Stellen wie Bank, Krankenkasse und Versicherungen über die neue Adresse. Die alte Adresse sollten Sie bei diesen Stellen nach Möglichkeit ändern lassen, damit keine wichtigen Nachrichten mehr dorthin gehen.
Und wenn Sie noch auf einem Gerät angemeldet sind, retten Sie vorher die wichtigsten E-Mails und Anhänge, etwa indem Sie sie ausdrucken oder speichern. Wie Sie Anhänge auf dem Computer speichern, erkläre ich Ihnen gesondert.
Hilfe beim E-Mail-Passwort in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg oder Umgebung wohnen, komme ich gern zu Ihnen nach Hause. Wir holen gemeinsam Ihr Postfach zurück, vergeben ein neues Passwort, tragen es auf allen Geräten ein und hinterlegen eine aktuelle Handynummer, damit Sie beim nächsten Mal schnell wieder hineinkommen.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.


