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Sie haben eine Spam-Mail mit dem Handy geöffnet? Das tun Sie jetzt

Ein Angelköder hängt an der Schnur über einem ruhigen See
In diesem Artikel

Dienstagabend, kurz vor den Nachrichten. Im Postfach liegt eine E-Mail: „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden.“ Man erwartet tatsächlich etwas. Also ein Klick auf „Sendung verfolgen“.

Es öffnet sich eine Seite, die ganz nach Paketdienst aussieht. Gelbe Farbe, ein Logo, ein Formular. Für die neue Zustellung seien noch 1,99 Euro zu bezahlen. Bitte Kartennummer eingeben.

Und genau da kommt der Gedanke: Moment. Seit wann kostet das etwas? Und warum soll ich dafür meine Karte angeben? Ob am Computer oder wenn Sie die Spam-Mail mit dem Handy geöffnet haben: Jetzt kommt es auf die nächsten Minuten an.

Wenn Ihnen so etwas passiert ist, sind Sie in guter Gesellschaft. Und meistens lässt sich noch eine ganze Menge retten. Wichtig ist nur, jetzt in Ruhe die richtigen Schritte zu gehen.

Wenn es gerade eben passiert ist:

  • Die Seite schließen und dort nichts mehr eingeben.
  • Bei Bankdaten sofort die Bank oder den Sperr-Notruf 116 116 anrufen.
  • Unbekannte Dateien im Ordner „Downloads“ nicht öffnen.

Ein Klick allein ist selten das Ende der Welt

Viele Menschen glauben, ein einziger falscher Klick verseucht sofort den ganzen Computer. Das ist zum Glück fast nie so.

Ein aktueller Browser auf einem aktuellen Windows ist ziemlich gut geschützt. Eine Internetseite nur anzusehen, richtet in aller Regel keinen Schaden an.

Gefährlich wird es meistens erst durch das, was nach dem Klick kommt. Wenn man etwas eingibt. Etwas herunterlädt. Oder etwas erlaubt.

Deshalb ist die wichtigste Frage jetzt nicht „Warum habe ich das gemacht?“, sondern: „Was habe ich danach gemacht?“

Was nach dem Klick passiert sein kann

Gehen Sie in Gedanken noch einmal durch, was nach dem Klick auf dem Bildschirm zu sehen war. Meistens ist es einer dieser Fälle:

  • Es hat sich nur eine Seite geöffnet, und Sie haben sie gleich wieder verlassen.
  • Sie haben auf der Seite etwas eingegeben, zum Beispiel ein Passwort, eine Kartennummer oder Ihre Adresse.
  • Eine Datei wurde heruntergeladen, vielleicht auch geöffnet.
  • Die Seite wollte etwas erlauben lassen, etwa Benachrichtigungen oder ein Programm.
  • Kurz darauf hat jemand angerufen und angeboten, Ihnen zu helfen.

Je nachdem, welcher Fall zutrifft, ist etwas anderes zu tun. Manchmal reicht es, das Fenster zu schließen. Manchmal sollte man sofort zum Telefon greifen.

Im Bild erklärt

Drei Fragen nach dem Klick

Von oben nach unten gelesen führen sie zum richtigen nächsten Schritt.

1Haben Sie etwas eingegeben?

JaPasswort ändern. Bei Bankdaten sofort die Bank anrufen.

Nein

2Wurde eine Datei heruntergeladen?

JaNicht öffnen, sondern löschen. Windows prüfen lassen.

Nein

3Etwas installiert oder Zugriff erlaubt?

JaInternet trennen. Den Computer prüfen lassen.

Nein

Dreimal Nein? Seite schließen – das genügt meistens.

Vereinfachte Übersicht. Haben Sie Bankdaten eingegeben, rufen Sie zuerst Ihre Bank an – alles andere hat Zeit.

Zuerst: die Seite schließen

Was immer gerade auf dem Bildschirm steht: Geben Sie dort nichts mehr ein. Kein Passwort, keine Nummer, kein „Ja“.

Schließen Sie die Seite über das kleine Kreuz am Reiter oben im Browser. Lässt sie sich so nicht schließen, hilft die Tastenkombination Alt und F4. Damit schließt sich das ganze Browserfenster.

Fragt der Browser beim nächsten Öffnen, ob die letzten Seiten wiederhergestellt werden sollen, klicken Sie auf „Nein“ oder schließen den Hinweis einfach.

Die E-Mail selbst können Sie danach löschen. Sie ist jetzt nur noch ein Beweisstück, das niemand braucht.

Ein Paketkarton steht vor einer hellen Haustür zwischen Backsteinwänden
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

„Ich habe nur geklickt, sonst nichts.“

Das ist der häufigste Fall. Und der harmloseste.

Wenn sich nur eine Seite geöffnet hat und Sie dort nichts eingegeben, nichts heruntergeladen und nichts erlaubt haben, ist in aller Regel nichts passiert. Die Seite schließen genügt.

Der Betrüger weiß durch Ihren Klick höchstens, dass Ihre E-Mail-Adresse benutzt wird. Es kann deshalb sein, dass in den nächsten Wochen etwas mehr Werbung oder Betrugspost ankommt. Dagegen hilft nur eines: weiter misstrauisch bleiben.

Ein Restrisiko gibt es nur bei einem Computer, der lange keine Updates mehr bekommen hat. Warum diese Updates so viel ausmachen, steht im Artikel Warum System-Updates für Ihre Sicherheit so wichtig sind

Praxis-Check

Nur geklickt – und dann?

  • Nur die Seite gesehen?Ansehen allein richtet in aller Regel keinen Schaden an.
  • Nichts eingetippt?Dann hat der Betrüger keine Daten von Ihnen bekommen.
  • Windows aktuell?Dann ist der Computer gegen solche Seiten gut geschützt.

Haben Sie Daten eingegeben?

Jetzt wird es ernster. Gefälschte Seiten sind genau dafür gebaut: Sie sollen Ihre Daten einsammeln.

Überlegen Sie, was Sie eingetippt haben. Eine E-Mail-Adresse und ein Passwort? Name und Anschrift? Oder Bankdaten?

Name und Adresse allein lassen sich nicht zurückholen. Sie führen aber oft zu besonders glaubwürdigen Betrugsversuchen, weil der Absender Sie dann mit Namen anspricht. Seien Sie bei solchen Nachrichten in nächster Zeit doppelt vorsichtig. Woran Sie solche Betrugsversuche erkennen, ob per E-Mail, SMS oder Telefon, habe ich in meiner Sammlung zu Betrugsversuchen aller Art zusammengetragen.

Ein Passwort dagegen lässt sich ändern. Und das sollten Sie so schnell wie möglich tun. Am besten an einem anderen Gerät, dem Sie vertrauen, und indem Sie die Adresse der echten Seite selbst eintippen. Nicht über den Link aus der E-Mail.

Wenn es um Bankdaten oder Geld geht

Haben Sie Zugangsdaten für das Onlinebanking, eine Kartennummer oder eine TAN eingegeben, zählt jede Minute. Rufen Sie sofort Ihre Bank an. Die Nummer steht auf der Rückseite Ihrer Bankkarte oder in Ihren Kontounterlagen.

Außerhalb der Öffnungszeiten hilft der Sperr-Notruf 116 116. Darüber lassen sich Bankkarten rund um die Uhr sperren, bei vielen Banken auch der Zugang zum Onlinebanking.

Das ist unangenehm, ja. Eine neue Karte dauert ein paar Tage. Aber das ist kein Vergleich zu einem leergeräumten Konto.

Sehen Sie sich in den folgenden Wochen außerdem Ihre Kontoauszüge genau an. Auch kleine Beträge, die Sie nicht kennen, gehören sofort zur Bank gemeldet. Betrüger probieren gern erst einmal mit ein paar Euro aus, ob eine Karte funktioniert.

Wurde eine Datei heruntergeladen?

Manche gefälschten Seiten laden nach dem Klick eine Datei herunter. Eine angebliche Rechnung, ein Sendungsbeleg oder ein „wichtiges Update“.

Schauen Sie im Ordner „Downloads“ nach, ob dort etwas Neues liegt. Wie Sie Ihre Downloads finden, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.

Liegt dort eine Datei, die Sie nicht kennen, öffnen Sie sie nicht. Klicken Sie sie einmal mit der rechten Maustaste an und wählen Sie „Löschen“. Danach auch den Papierkorb leeren.

Haben Sie die Datei bereits geöffnet, ist Vorsicht angebracht. Dann sollten Sie den Computer gründlich prüfen lassen, bevor Sie dort wieder Onlinebanking machen.

Ein fremder Helfer am Bildschirm?

Eine besonders hinterhältige Masche läuft so: Nach dem Klick erscheint eine Warnung, der Computer sei gesperrt. Daneben eine Telefonnummer. Oder es ruft kurz darauf jemand an und bietet Hilfe an.

Der freundliche Mensch am Telefon bittet dann, ein kleines Programm zu installieren. Damit kann er angeblich den Fehler beheben. In Wahrheit sieht er ab jetzt Ihren Bildschirm und kann Ihre Maus bewegen.

Wenn das passiert ist, trennen Sie den Computer sofort vom Internet. Am einfachsten über das WLAN-Symbol unten rechts oder indem Sie das Netzwerkkabel ziehen.

Danach gehört der Computer in fachkundige Hände. Das Programm muss entfernt werden. Und alle Passwörter, die auf diesem Computer benutzt wurden, sollten Sie von einem anderen Gerät aus ändern. Wie seriöse Fernhilfe aussieht und woran man sie erkennt, steht im Artikel Ist Fernwartung eine gute Lösung für meine Eltern?

Blauer Stecker eines Netzwerkkabels in Nahaufnahme
Foto: Pixabay / Pexels

So lassen Sie Windows einmal gründlich nachsehen

Windows bringt einen eigenen Virenschutz mit. Er heißt Microsoft Defender und läuft im Hintergrund, ohne dass man viel von ihm merkt.

Nach einem verdächtigen Download lohnt sich eine gründliche Prüfung. Sie finden sie unter Start › Windows-Sicherheit › Viren- und Bedrohungsschutz › Scanoptionen. Dort wählen Sie „Vollständige Überprüfung“ und klicken auf „Jetzt überprüfen“.

Das kann eine Stunde oder länger dauern. Sie können den Computer in der Zeit weiter benutzen, er ist nur etwas langsamer. Am besten starten Sie die Prüfung, bevor Sie sich einen Kaffee kochen.

Findet der Defender nichts, ist das ein gutes Zeichen. Eine Garantie ist es nicht. Wenn Sie eine Datei geöffnet oder einem Fremden Zugriff gegeben haben, sollte trotzdem jemand einen Blick auf den Computer werfen.

Welche Passwörter jetzt Vorrang haben

Wenn Sie ein Passwort eingegeben haben oder ein Fremder am Computer war, sollten Sie Passwörter ändern. Nicht alle auf einmal, sondern der Reihe nach. Diese zuerst:

  • das Passwort, das Sie auf der gefälschten Seite eingegeben haben
  • das Passwort für Ihr E-Mail-Postfach, denn darüber lassen sich fast alle anderen Passwörter zurücksetzen
  • das Onlinebanking, falls Sie es auf diesem Computer benutzen
  • Konten, bei denen Sie dasselbe Passwort noch einmal verwendet haben

Das neue Passwort sollte nirgendwo sonst vorkommen. Wie man sich trotzdem eines merken kann, steht im Artikel So generieren Sie sichere Passwörter, die Sie sich merken können

Meine Reihenfolge, wenn es ernst ist

In der Aufregung vergisst man leicht einen Schritt. Wenn Daten eingegeben wurden oder ein Fremder am Computer war, würde ich so vorgehen:

  1. Die Seite schließen und nichts mehr eingeben.
  2. Bei Bankdaten sofort die Bank anrufen oder den Sperr-Notruf 116 116 wählen.
  3. Den Computer vom Internet trennen, wenn eine Datei geöffnet oder ein Programm installiert wurde.
  4. Die wichtigsten Passwörter von einem anderen Gerät aus ändern.
  5. Den Computer prüfen lassen, bevor er wieder für Bankgeschäfte benutzt wird.
  6. Den Vorfall bei der Polizei anzeigen. In Berlin geht das auch online über die Internetwache.

Die Anzeige mag sich übertrieben anfühlen. Sie hilft aber, wenn die Bank später einen Nachweis möchte. Und sie hilft der Polizei, solche Maschen zu erkennen.

Sie haben die Spam-Mail mit dem Handy geöffnet? Das ist dort anders

Viele lesen ihre E-Mails heute auf dem Handy. Die gute Nachricht zuerst: Eine Spam-Mail nur zu öffnen, ist auch am Handy fast immer harmlos. Gefährlich wird es erst, wenn Sie auf einen Link tippen und dort etwas eingeben oder herunterladen.

Haben Sie auf einen Link getippt, schließen Sie die Seite im Browser. Tippen Sie dazu auf die Übersicht der geöffneten Seiten und schließen Sie die verdächtige Seite mit dem kleinen Kreuz oder indem Sie sie wegwischen. Haben Sie dort Daten eingegeben, gilt dasselbe wie am Computer: Passwort ändern und bei Bankdaten sofort die Bank anrufen.

Hat das Handy eine Datei heruntergeladen, öffnen Sie sie nicht. Bei Android-Handys ist besondere Vorsicht geboten, wenn eine Seite Sie auffordert, eine App aus „unbekannten Quellen“ zu installieren. Das lehnen Sie ab. Beim iPhone kommen Apps fast immer aus dem App Store, dort ist dieses Risiko deutlich kleiner.

Wenn Sie unsicher sind, starten Sie das Handy einmal neu und schauen Sie in den Einstellungen unter „Apps“ nach, ob dort eine App auftaucht, die Sie nicht kennen.

Wenn sich der Computer danach seltsam verhält

Manchmal merkt man erst Tage später, dass etwas nicht stimmt. Freunde bekommen merkwürdige E-Mails von Ihrer Adresse. Im Browser ist eine neue Startseite eingestellt. Oder ständig springen Fenster mit Werbung auf.

Dann sollten Sie nicht weiter abwarten. Ändern Sie das Passwort Ihres E-Mail-Postfachs und lassen Sie den Computer gründlich durchsehen.

Werbefenster allein sind oft eher lästig als gefährlich. Kommen aber mehrere Anzeichen zusammen, ist ein Fachmann die bessere Wahl. Auch, damit Sie wieder ruhig schlafen können. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich bei meiner Hilfe nach einem verdächtigen Klick.

Wie Sie eine Meldung oder einen Link prüfen, bevor Sie klicken, zeige ich in Lektion 5 meines Videokurs „Computer verstehen“.

Hilfe nach einem falschen Klick in Berlin-Charlottenburg

Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause. Ich sehe mir an, was nach dem Klick passiert ist, prüfe den Computer und entferne, was dort nicht hingehört.

Gemeinsam ändern wir die wichtigsten Passwörter. Und ich zeige Ihnen in Ruhe, woran Sie gefälschte Nachrichten beim nächsten Mal schneller erkennen. Ganz ohne Vorwürfe.

Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de. Wenn es um Bankdaten geht, rufen Sie bitte zuerst Ihre Bank an und dann mich.

Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Ich habe auf eine Paket-E-Mail geklickt und weiß nicht, ob das schlimm war.“ Den Rest klären wir zusammen.

Lieber persönlich erklärt bekommen?

Rufen Sie mich an. Ich komme zu Ihnen nach Hause in Berlin-Charlottenburg und helfe geduldig und in Ihrem Tempo.

Anrufen: 0151 44985258