In diesem Artikel
Herr Kessler bekommt am Sonntagmorgen einen Anruf von seiner Schwester. Ob es ihm gut gehe, fragt sie besorgt. Sie habe eine E-Mail von ihm bekommen: Er sitze im Urlaub fest, man habe ihm die Brieftasche gestohlen, sie möge ihm bitte schnell 400 Euro schicken. Herr Kessler war nirgendwo im Urlaub. Er hat diese E-Mail nie geschrieben.
So oder ähnlich bemerken viele Menschen, dass jemand Fremdes in ihrem E-Mail-Konto ist. Das ist ein Schreck, aber kein Grund zur Panik. Wenn Ihr E-Mail-Konto gehackt wurde, kommt es jetzt auf die Reihenfolge an. In den meisten Fällen lässt sich das Konto zurückholen und wieder sicher machen.
Wichtig ist, dass Sie jetzt in der richtigen Reihenfolge vorgehen. Erst das Konto sichern, dann aufräumen, dann vorbeugen. Wer nur schnell das Passwort ändert und sonst nichts, lässt oft eine Hintertür offen.
Hier erkläre ich, woran Sie einen Einbruch erkennen, was Sie in der ersten Stunde tun sollten, welche versteckten Einstellungen Sie prüfen müssen und wie Sie Ihre Bekannten warnen.
Zuerst diese drei Schritte:
- Passwort ändern und alle Geräte abmelden.
- Weiterleitungen und Filter im Postfach prüfen.
- Bekannte warnen: Kein Geld schicken, keine Links öffnen.
Woran Sie merken, dass Ihr E-Mail-Konto gehackt wurde
Nicht immer meldet sich gleich die Schwester. Oft sind die Zeichen leiser. Diese Anzeichen sollten Sie hellhörig machen:
- Bekannte bekommen E-Mails von Ihnen, die Sie nie geschrieben haben.
- Im Ordner „Gesendet“ liegen Nachrichten, die Sie nicht kennen.
- Ihr Passwort funktioniert plötzlich nicht mehr.
- Sie bekommen eine Nachricht Ihres Anbieters über eine Anmeldung, die nicht von Ihnen war.
- E-Mails, auf die Sie warten, kommen nicht mehr an.
- Viele Rücksendungen „Unzustellbar“ von Adressen, die Sie gar nicht angeschrieben haben.
Ein einzelnes Zeichen muss noch nichts bedeuten. Wenn aber zwei oder drei davon zusammenkommen, sollten Sie handeln, und zwar am besten sofort.
Was die Täter mit Ihrem Konto wollen
Ihr E-Mail-Konto ist für Betrüger aus mehreren Gründen wertvoll. Zum einen vertrauen Ihre Bekannten Ihrer Adresse. Eine Bitte um Geld, die von Ihnen zu kommen scheint, wirkt viel glaubwürdiger als eine von einem Fremden.
Zum anderen ist das Postfach der Schlüssel zu vielen anderen Konten. Wer bei einem Online-Shop oder einem anderen Dienst auf „Passwort vergessen“ klickt, bekommt den Link an genau diese Adresse. Wer Ihr Postfach hat, kann damit weitere Passwörter zurücksetzen.
Und schließlich liegen in vielen Postfächern Rechnungen, Kontoauszüge oder Kopien von Ausweisen. Das sind Angaben, mit denen sich Betrüger als Sie ausgeben können. Deshalb lohnt es sich, schnell und gründlich zu sein. Wie Sie sich gegen solche Täter und ihre anderen Tricks wappnen, zeige ich Ihnen in meinem Leitfaden gegen Hacker und Betrüger.
Wo Sie sehen, wer sich angemeldet hat
Viele E-Mail-Anbieter zeigen Ihnen, von welchen Geräten und zu welcher Zeit sich jemand in Ihr Konto eingeloggt hat. Bei Google heißt dieser Bereich zum Beispiel „Ihre Geräte“, bei anderen Anbietern „Letzte Aktivitäten“ oder „Anmeldungen“. Sie finden ihn meist in den Einstellungen unter „Sicherheit“.
Schauen Sie dort in Ruhe nach. Steht da ein Gerät, das Sie nicht kennen, oder eine Anmeldung mitten in der Nacht aus einem anderen Land, ist das ein deutlicher Hinweis. Die Ortsangabe ist dabei nur ungefähr, sie zeigt oft die nächste größere Stadt.
Unbekannte Geräte können Sie an derselben Stelle abmelden. Das ist einer der ersten Schritte, gleich nach dem neuen Passwort.
So sieht eine fremde Anmeldung aus
Viele Anbieter listen in den Sicherheitseinstellungen auf, wann und mit welchem Gerät sich jemand angemeldet hat.
- Windows-ComputerBerlin · heute, 09:14 UhrDieses Gerät
- HandyBerlin · gestern, 18:40 UhrBekannt
- Unbekanntes GerätAusland · heute, 03:12 UhrDas war ichDas war ich nicht
Nachts, aus dem Ausland, mit einem fremden Gerät: Diese Anmeldung war nicht Ihre. Danach sofort das Passwort ändern.
Schritt für Schritt: das Passwort sofort ändern
Wenn Sie noch in Ihr Konto hineinkommen, ändern Sie als Erstes das Passwort. Nehmen Sie dafür ein ganz neues Passwort, das Sie noch nirgends benutzt haben. Eine Abwandlung des alten Passworts reicht nicht, weil Täter solche Varianten gern ausprobieren.
Machen Sie das am besten an einem Gerät, dem Sie vertrauen, zum Beispiel an Ihrem eigenen Computer zu Hause. Rufen Sie die Seite Ihres Anbieters selbst auf, indem Sie die Adresse eintippen, und nicht über einen Link aus einer E-Mail.
Viele Anbieter fragen beim Ändern, ob alle anderen Geräte abgemeldet werden sollen. Sagen Sie Ja. Dann muss sich jeder neu anmelden, auch der Täter, und der kennt das neue Passwort nicht. Ihr eigenes Handy müssen Sie danach ebenfalls neu anmelden.
Schreiben Sie das neue Passwort auf und legen Sie den Zettel an einen sicheren Ort zu Hause, nicht neben den Computer. Wie Sie so eine Passwortsammlung ordentlich anlegen und Ihre Passwörter sichern, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Wenn Sie nicht mehr hineinkommen
Hat der Täter das Passwort schon geändert, kommen Sie mit dem alten nicht mehr hinein. Dann führt der Weg über „Passwort vergessen“ auf der Anmeldeseite Ihres Anbieters. Dort bekommen Sie einen Code auf Ihr Handy oder an eine Ersatz-Adresse, wenn Sie so etwas hinterlegt haben.
Wie das genau geht und wo Sie Ihr E-Mail-Passwort sehen, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. beschrieben. Die Schritte sind dieselben.
Klappt das nicht, weil der Täter auch die Handynummer geändert hat, bieten die meisten Anbieter ein Formular zur Kontowiederherstellung an. Sie beantworten dort Fragen, etwa wann Sie das Konto angelegt haben. Das dauert länger, ist aber oft erfolgreich. Bleiben Sie dran und fangen Sie nicht sofort mit einer neuen Adresse an.
Weiterleitungen und Filter prüfen – die versteckte Hintertür
Dieser Schritt wird am häufigsten vergessen. Geschickte Täter richten in Ihrem Postfach eine Weiterleitung ein. Dann bekommen sie eine Kopie jeder E-Mail, die bei Ihnen ankommt, auch nachdem Sie das Passwort geändert haben.
Ähnlich gefährlich sind Filterregeln. Ein Filter kann zum Beispiel alle E-Mails Ihrer Bank still in den Papierkorb verschieben, damit Sie Warnungen nicht sehen. Prüfen Sie deshalb in den Einstellungen Ihres Postfachs diese Punkte:
- Weiterleitung: Steht dort eine fremde Adresse, löschen Sie sie.
- Filter oder Regeln: Löschen Sie alles, was Sie nicht selbst angelegt haben.
- Abwesenheitsnotiz: Ist eine eingeschaltet, die Sie nicht kennen, schalten Sie sie aus.
- Signatur: Steht unter Ihren E-Mails plötzlich ein fremder Text oder Link, entfernen Sie ihn.
Sehen Sie auch im Papierkorb und im Ordner „Gesendet“ nach. Dort erkennen Sie oft, was der Täter verschickt hat und an wen.
Telefonnummer und Ersatz-Adresse kontrollieren
In den Sicherheitseinstellungen Ihres Kontos stehen eine Handynummer und oft eine Ersatz-E-Mail-Adresse. Über diese beiden Wege können Sie Ihr Passwort zurücksetzen. Hat der Täter dort seine eigenen Angaben eingetragen, kann er sich das Konto jederzeit zurückholen.
Prüfen Sie deshalb genau, ob die Nummer und die Adresse wirklich Ihre sind. Fremde Angaben löschen Sie und tragen Ihre eigenen ein. Fehlt beides, holen Sie es jetzt nach. Es ist Ihre wichtigste Rettungsleine für das nächste Mal.
Schauen Sie auch, ob Programme oder Apps Zugriff auf Ihr Konto haben, die Sie nicht kennen. Viele Anbieter zeigen solche verknüpften Dienste in den Einstellungen an. Was Ihnen fremd ist, entfernen Sie.

Freunde und Bekannte warnen
Hat der Täter in Ihrem Namen E-Mails verschickt, sollten Ihre Bekannten davon erfahren. Sonst fällt vielleicht jemand auf die Bitte um Geld herein oder öffnet einen gefährlichen Anhang.
Schreiben Sie eine kurze, ruhige Nachricht an Ihre Kontakte. Zum Beispiel: „Mein E-Mail-Konto wurde gehackt. Wenn Sie in den letzten Tagen eine seltsame Nachricht von mir bekommen haben, öffnen Sie bitte keine Links und überweisen Sie kein Geld. Das war nicht ich.“
Bei Menschen, die Ihnen nahestehen, ist ein Anruf noch besser. So weiß jeder sofort Bescheid, und niemand muss sich fragen, ob die Warnung selbst wieder eine Fälschung ist.
So warnen Sie Ihre Bekannten
- Wie:Kurze Nachricht an alle, Nahestehende lieber anrufen.
- Was:Keine Links aus Ihren letzten E‑Mails öffnen.
- Wichtig:Auf Bitten um Geld nicht reagieren, das waren nicht Sie.
Andere Konten mit demselben Passwort
Haben Sie das Passwort Ihres E-Mail-Kontos auch anderswo benutzt? Dann sind diese Konten jetzt ebenfalls in Gefahr. Täter probieren eine erbeutete Kombination aus Adresse und Passwort gern bei vielen Diensten aus, bei Online-Shops, sozialen Netzwerken oder Bezahldiensten.
Gehen Sie in Gedanken durch, wo Sie sich mit derselben Adresse anmelden. Ändern Sie überall dort das Passwort, wo das alte noch gilt, und zwar jedes Mal ein anderes. Beginnen Sie mit den wichtigsten: Online-Banking, Bezahldienste, Einkaufskonten mit hinterlegter Zahlung.
Wie Sie sichere Passwörter generieren und sich trotzdem viele verschiedene merken, ohne den Überblick zu verlieren, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Die Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten
Damit so etwas nicht wieder passiert, gibt es einen sehr wirksamen Schutz: die Zwei-Faktor-Anmeldung. Dabei reicht das Passwort allein nicht mehr. Bei einer Anmeldung auf einem neuen Gerät kommt zusätzlich ein Code auf Ihr Handy, oder Sie müssen die Anmeldung am Handy bestätigen.
Selbst wenn ein Täter Ihr Passwort kennt, kommt er dann nicht hinein, weil ihm Ihr Handy fehlt. Für Sie ändert sich im Alltag wenig. Auf Ihren eigenen Geräten werden Sie meist nur selten danach gefragt.
Was dahintersteckt und ob Sie das brauchen, steht im Artikel Was ist Zwei-Faktor-Authentifizierung – und brauchen Sie das? Bei einem gehackten Konto ist die Antwort klar: Ja.

Ist der Computer selbst betroffen?
Manchmal gelangt das Passwort nicht über eine gefälschte Seite zu den Tätern, sondern über ein Schadprogramm auf dem Computer. Das ist seltener, aber möglich. Dann würde auch das neue Passwort wieder abgefangen.
Diese Hinweise sprechen dafür, dass Sie auch den Computer prüfen sollten:
- Sie haben vor Kurzem ein Programm installiert, das Ihnen jemand empfohlen oder geschickt hat.
- Der Computer verhält sich seltsam, wird langsam oder zeigt ungewohnte Fenster.
- Auch andere Konten wurden kurz hintereinander übernommen.
Lassen Sie in diesem Fall die eingebaute Virenprüfung von Windows einen vollständigen Scan machen und ändern Sie die wichtigsten Passwörter danach noch einmal. Was nach einem Klick auf einen verdächtigen Link zu tun ist, beschreibe ich in meinen ersten Schritten nach einer geöffneten Spam-Mail.
Wie konnte Ihr E-Mail-Konto überhaupt gehackt werden?
Die meisten Konten werden nicht von Computerfachleuten „geknackt“. Viel häufiger hat jemand sein Passwort auf einer gefälschten Seite eingegeben. Eine E-Mail sieht aus wie von Ihrem Anbieter, „Ihr Postfach ist voll“ oder „Ihr Konto wird gesperrt“, und der Link führt zu einer täuschend echten Anmeldeseite.
Wie Sie die echte Seite von einer Fälschung unterscheiden, übe ich Schritt für Schritt in Lektion 3 meines Videokurses „Computer verstehen“. Woran Sie solche gefälschten Nachrichten erkennen, erkläre ich außerdem in einem eigenen Artikel.
Ein zweiter häufiger Grund sind Datenlecks bei anderen Diensten. Wird ein Online-Shop gehackt, landen Adressen und Passwörter im Netz. Wer dasselbe Passwort auch für sein Postfach benutzt, ist dann ebenfalls betroffen, obwohl er selbst nichts falsch gemacht hat.
Ob Ihre Adresse schon einmal in einem solchen Datenleck aufgetaucht ist, können Sie beim Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts prüfen. Sie geben dort Ihre E-Mail-Adresse ein und bekommen das Ergebnis per E-Mail zugeschickt.
Anzeige erstatten – lohnt sich das?
Ein gehacktes Konto ist eine Straftat, und Sie dürfen Anzeige erstatten. Das ist besonders sinnvoll, wenn Geld geflossen ist, wenn in Ihrem Namen etwas bestellt wurde oder wenn der Täter Ihre Bekannten erpresst oder betrogen hat.
In Berlin geht das bequem über die Internetwache der Polizei. Dort füllen Sie ein Formular am Computer aus und müssen nicht auf die Wache. Halten Sie dafür bereit, was Sie wissen: wann Sie es bemerkt haben, welche E-Mails verschickt wurden, ob jemand Geld überwiesen hat.
Löschen Sie die fremden E-Mails im Ordner „Gesendet“ deshalb nicht sofort. Machen Sie vorher ein Bildschirmfoto davon. Das hilft bei der Anzeige und auch, falls Ihre Bank oder ein Shop später Fragen hat.
Wenn es trotzdem nicht klappt
Manchmal gelingt die Wiederherstellung nicht auf Anhieb. Dann wenden Sie sich an den Kundendienst Ihres Anbieters. Nutzen Sie dafür nur die Kontaktwege, die auf der offiziellen Seite stehen. Betrüger geben sich gern als Hilfe für gehackte Konten aus und verlangen Geld dafür.
Bleibt das Konto verloren, legen Sie eine neue Adresse an und teilen Sie sie Ihren Kontakten mit. Ändern Sie die Adresse auch bei Bank, Krankenkasse und Online-Shops. Das ist mühsam, aber dann sind Sie wieder auf der sicheren Seite.
Und wenn Ihnen das alles zu viel ist, holen Sie sich Unterstützung. Gerade die versteckten Einstellungen übersieht man allein leicht. Wie ich in so einem Fall vorgehe, lesen Sie bei meiner Hilfe bei Viren und Betrugsversuchen.
Hilfe nach einem gehackten E-Mail-Konto in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg oder Umgebung wohnen, komme ich gern zu Ihnen nach Hause. Wir holen Ihr Konto gemeinsam zurück, prüfen Weiterleitungen, Filter und Sicherheitseinstellungen und schalten die Zwei-Faktor-Anmeldung ein. Auf Wunsch gehen wir auch Ihre anderen wichtigen Konten durch und legen neue Passwörter fest.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.


