In diesem Artikel
Das Telefon klingelt, auf dem Display steht die Nummer Ihrer Bank. Eine freundliche Frau stellt sich mit Namen vor, Abteilung Sicherheit. Auf Ihrem Konto habe es verdächtige Abbuchungen gegeben, 2.300 Euro an einen Online-Händler in Litauen. Ob Sie das gewesen seien?
Natürlich nicht. Die Frau beruhigt Sie: Man könne die Zahlung noch stoppen. Dafür müssten Sie nur gleich eine Freigabe in Ihrer Banking-App bestätigen oder ihr den Code vorlesen, der gleich per SMS kommt.
Genau in diesem Moment beginnt der eigentliche Betrug. Die Abbuchung gab es nie. Die Freigabe, die Sie bestätigen sollen, ist die Überweisung, mit der die Betrüger Ihr Geld abholen.
Hier zeige ich, wie diese Anrufe ablaufen, warum sogar die richtige Nummer auf dem Display stehen kann und wie Sie in wenigen Minuten prüfen, ob wirklich Ihre Bank anruft.
Bei einem Anruf von der „Bank“:
- Keine PIN, TAN oder Freigabe am Telefon.
- Die angezeigte Nummer beweist nichts.
- Auflegen und die Nummer von der Bankkarte selbst wählen.
Die Masche in drei Akten
Fast alle falschen Bankanrufe folgen demselben Drehbuch. Im ersten Akt wird ein Problem erfunden: eine verdächtige Zahlung, ein gehacktes Konto, eine Karte, die angeblich gesperrt werden muss. Das Problem ist so gewählt, dass es Angst macht und schnelles Handeln verlangt.
Im zweiten Akt kommt die Rettung. Der Anrufer bietet an, das Problem sofort zu lösen. Er wirkt kompetent, kennt Fachbegriffe und manchmal sogar Ihre Kontonummer oder den letzten Einkauf.
Im dritten Akt sollen Sie etwas tun: eine Freigabe in der App bestätigen, eine TAN vorlesen, Zugangsdaten nennen oder eine „Sicherheitsüberweisung“ auf ein angebliches Schutzkonto machen. Damit holen sich die Betrüger das Geld.
Warum die richtige Nummer auf dem Display steht
Viele verlassen sich auf die Nummer, die beim Klingeln angezeigt wird. Steht dort die Nummer der Bank, muss es doch die Bank sein. Leider stimmt das nicht.
Die angezeigte Nummer lässt sich fälschen. Betrüger können mit einfachen technischen Mitteln jede beliebige Nummer anzeigen lassen, auch die echte Servicenummer Ihrer Bank oder sogar die 110 der Polizei. Fachleute nennen das Spoofing.
Deshalb gilt: Die Nummer auf dem Display beweist gar nichts. Sie ist kein Grund, einem Anrufer zu vertrauen. Ein echtes Gespräch mit Ihrer Bank beginnt immer damit, dass Sie selbst wählen.

Was Ihre Bank am Telefon nie verlangt
Banken haben klare Regeln, was ihre Mitarbeiter am Telefon fragen dürfen. Diese Dinge verlangt eine echte Bank niemals:
- Ihre PIN für die Bankkarte,
- Ihr Passwort für das Online-Banking,
- eine TAN oder einen Code, den Sie per SMS oder App bekommen,
- dass Sie eine Freigabe in der Banking-App bestätigen, die Sie nicht selbst angestoßen haben,
- dass Sie Geld auf ein „Sicherheitskonto“ überweisen,
- dass Sie ein Programm installieren, damit jemand auf Ihren Computer schauen kann.
Wenn ein Anrufer auch nur eines davon will, ist er nicht von Ihrer Bank. Ganz gleich, wie überzeugend er klingt und welche Nummer angezeigt wird. Wie Betrüger es sonst noch versuchen, per SMS, per E-Mail oder mit falschen Warnungen am Bildschirm, zeige ich Ihnen in meinem Überblick über Betrugsmaschen im Alltag.
Die Freigabe in der App: der gefährlichste Klick
Viele Banken arbeiten heute mit einer App, in der Sie Überweisungen freigeben. Eine Nachricht erscheint auf dem Handy, Sie tippen auf „Freigeben“, fertig. Das ist bequem und eigentlich sicher, solange Sie nur freigeben, was Sie selbst angestoßen haben.
Genau hier setzen die Betrüger an. Sie starten im Hintergrund eine Überweisung oder richten Ihr Konto auf einem neuen Handy ein. Ihre App fragt daraufhin nach einer Freigabe, und der Anrufer erklärt Ihnen, das sei die „Stornierung“ oder die „Sperre“.
Lesen Sie deshalb jede Freigabe genau, bevor Sie tippen. Dort steht, was Sie freigeben: eine Überweisung mit Betrag und Empfänger, eine neue Geräteanmeldung, eine Änderung von Limits. Steht dort etwas, das Sie nicht selbst gemacht haben, tippen Sie auf „Ablehnen“. Immer.
Diesen Grundsatz, erst zu lesen, was ein Programm verlangt, und dann zu entscheiden, übe ich ausführlich in Lektion 5 meines Videokurses „Computer verstehen“.
So prüfen Sie, ob der Anruf echt ist
Die gute Nachricht: Sie müssen nicht erkennen, ob ein Anrufer lügt. Sie müssen nur einen einfachen Ablauf einhalten:
- Sagen Sie freundlich: „Ich rufe Sie gleich selbst zurück.“ Mehr müssen Sie nicht erklären.
- Legen Sie auf.
- Warten Sie ein paar Minuten, oder nehmen Sie ein anderes Telefon.
- Wählen Sie die Nummer Ihrer Bank selbst. Sie steht auf der Rückseite Ihrer Bankkarte, auf Ihren Kontoauszügen oder in der Banking-App.
- Fragen Sie dort, ob es wirklich ein Problem mit Ihrem Konto gibt.
Eine echte Bank hat damit kein Problem. Sie wird Ihnen sogar ausdrücklich raten, so vorzugehen. Ein Betrüger dagegen wird versuchen, Sie am Auflegen zu hindern. Das allein ist schon die Antwort.
Genau dieses Vorgehen, eine Behauptung über einen selbst gewählten Kontaktweg zu prüfen, ist das Thema von Lektion 10 in meinem Videokurs.
Dieselbe Frage, zwei Antworten
Entscheidend ist nicht die Meldung, sondern ob Sie den Auftrag selbst angestoßen haben.
Selbst angestoßen
Sie haben gerade selbst die Miete überwiesen.
Banking-App · Freigabe
Möchten Sie diesen Auftrag freigeben?
- Art
- Überweisung
- Empfänger
- Ihre Hausverwaltung
- Betrag
- 780,00 €
AblehnenFreigeben
Das kennen Sie: Freigeben.
Am Telefon verlangt
Ein Anrufer sagt, Sie sollen eine „Stornierung“ bestätigen.
Banking-App · Freigabe
Möchten Sie diesen Auftrag freigeben?
- Art
- Überweisung
- Empfänger
- Konto, das Sie nicht kennen
- Betrag
- 2.300,00 €
AblehnenFreigeben
Das ist keine Stornierung: Ablehnen und auflegen.
Warum Sie kurz warten sollten
Der Schritt mit dem Warten wirkt übertrieben, hat aber einen Grund. Bei manchen Telefonanschlüssen bleibt die Verbindung noch einen Moment bestehen, wenn nur eine Seite auflegt. Wer sofort wieder wählt, landet unter Umständen wieder beim Betrüger, der dann einfach so tut, als sei er die Bank.
Wer ein paar Minuten wartet oder das Handy statt des Festnetzes benutzt, ist auf der sicheren Seite. Hören Sie nach dem Abheben auch auf das Freizeichen, bevor Sie wählen.
„Aber er kannte meine Kontonummer“
Viele lassen sich überzeugen, weil der Anrufer erstaunlich viel weiß. Den vollen Namen, die Adresse, manchmal die IBAN oder einen kürzlichen Einkauf. Das wirkt, als müsse er Zugang zu den Daten der Bank haben.
In Wahrheit stammen solche Angaben oft aus ganz anderen Quellen. Die IBAN steht auf jeder Rechnung, die Sie verschicken. Name und Adresse kennen viele Online-Shops. Und manchmal sind Daten durch ein Datenleck bei einem Händler in falsche Hände geraten.
Wissen ist also kein Beweis. Entscheidend ist allein, was der Anrufer von Ihnen will. Sobald es um Codes, Freigaben oder Überweisungen geht, legen Sie auf und rufen selbst an.
Weitere Maschen rund um die Bank
Neben dem Anruf gibt es verwandte Tricks, die nach demselben Prinzip funktionieren:
- Eine SMS, Ihr Konto sei gesperrt, mit einem Link zum „Entsperren“.
- Eine E-Mail, Sie müssten Ihre Daten wegen einer neuen Vorschrift bestätigen.
- Ein Brief, der zum Scannen eines QR-Codes auffordert, um das Konto zu „aktualisieren“.
- Ein angeblicher Bankmitarbeiter an der Haustür, der die Karte „zur Sicherheit“ abholen möchte.
Die Regel ist immer dieselbe: Keine Daten über Wege, die ein anderer Ihnen vorgibt. Öffnen Sie die Banking-App oder die Internetseite der Bank selbst, oder rufen Sie die Nummer an, die Sie kennen. Wie Sie eine Phishing-Mail erkennen, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Das „Sicherheitskonto“ gibt es nicht
Eine besonders dreiste Variante: Der Anrufer behauptet, Ihr Konto sei in Gefahr, und Ihr Geld müsse vorübergehend auf ein sicheres Konto umgebucht werden. Manchmal heißt es Treuhandkonto, manchmal Schutzkonto. Nach ein paar Tagen bekämen Sie alles zurück.
Ein solches Konto gibt es bei keiner Bank. Eine Bank, die einen Angriff auf Ihr Konto bemerkt, sperrt den Zugang oder einzelne Zahlungen. Sie verlangt niemals, dass Sie selbst Geld irgendwohin überweisen. Wer Sie darum bittet, will das Geld für sich.
Oft rufen in dieser Masche mehrere Personen nacheinander an, zuerst die Bank, dann angeblich die Polizei, die den Vorgang bestätigt. Auch das gehört zum Drehbuch. Die echte Polizei bittet Sie ebenfalls nie, Geld zu überweisen oder abzuheben.

Warum alles so schnell gehen soll
In jedem dieser Gespräche wird Druck gemacht. Die Abbuchung laufe gerade, in zehn Minuten sei das Geld weg, man müsse jetzt sofort handeln. Dieser Druck ist kein Zufall. Wer Zeit zum Nachdenken hat, legt auf und ruft selbst an.
Lassen Sie sich davon nicht treiben. Echte Sicherheitsabteilungen arbeiten anders: Sie sperren im Zweifel zuerst und klären danach in Ruhe mit Ihnen. Selbst wenn wirklich etwas nicht stimmen sollte, verlieren Sie durch fünf Minuten Rückruf nichts, was eine Bank nicht ohnehin aufhalten kann.
Ein guter Satz für solche Momente: „Wenn es so dringend ist, sperren Sie das Konto bitte jetzt. Ich rufe danach bei meiner Filiale an.“ Kein Betrüger kann darauf etwas Sinnvolles antworten.
Wenn Sie schon etwas freigegeben haben
Dann zählt jede Minute. Handeln Sie sofort, und schämen Sie sich nicht. Diese Anrufer sind Profis.
- Rufen Sie Ihre Bank unter der bekannten Nummer an und schildern Sie, was passiert ist. Bitten Sie darum, die Überweisung zurückzuholen und den Zugang zu sperren.
- Lassen Sie Online-Banking und Karten sperren. Der zentrale Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr erreichbar.
- Ändern Sie danach Ihr Passwort für das Online-Banking, am besten von einem anderen Gerät aus.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. In Berlin geht das auch online über die Internetwache.
Notieren Sie alles, was Sie noch wissen: Uhrzeit, angezeigte Nummer, Name des Anrufers, was Sie getan haben. Das hilft Bank und Polizei.
Ruft wirklich Ihre Bank an?
- Will der Anrufer einen Code?Dann ist es nicht Ihre Bank.
- Sollen Sie etwas freigeben?Nur, was Sie selbst angestoßen haben.
- Im Zweifel:Auflegen und die Nummer von der Bankkarte wählen.
Vorbeugen: drei einfache Gewohnheiten
Ganz verhindern lassen sich solche Anrufe nicht. Aber Sie können es den Betrügern schwer machen. Kleben Sie einen Zettel neben das Telefon: „Meine Bank fragt nie nach PIN, TAN oder Freigaben. Ich rufe selbst zurück.“ Im Moment der Aufregung hilft ein Satz, den man ablesen kann.
Speichern Sie die echte Nummer Ihrer Bank im Handy unter einem klaren Namen. Dann müssen Sie im Ernstfall nicht suchen. Und richten Sie in der Banking-App ein Tageslimit für Überweisungen ein, das zu Ihrem Alltag passt. Selbst wenn etwas schiefgeht, ist der Schaden dann begrenzt.
Wie Sie Ihre Eltern vor solchen Anrufen bewahren und ganz allgemein Senioren vor Internetbetrug schützen, habe ich gesondert aufgeschrieben. Und wie die verwandte Masche mit angeblichen Microsoft-Anrufen abläuft, erkläre ich in einem eigenen Artikel.
Wenn Sie unsicher sind
Im Zweifel gilt immer: Auflegen ist nie falsch. Eine echte Bank ruft wieder an oder schreibt Ihnen einen Brief. Kein echtes Problem wird schlimmer, weil Sie sich fünf Minuten Zeit nehmen, um selbst zurückzurufen.
Erzählen Sie auch Ihrer Familie oder Ihren Nachbarn von solchen Anrufen. Betrüger rufen oft viele Menschen in derselben Gegend nacheinander an. Wer gewarnt ist, legt schneller auf.
Und wenn Sie sich mit der Banking-App unsicher fühlen, lassen Sie sich die Freigaben einmal in Ruhe zeigen. Wer weiß, wie eine echte Freigabe aussieht, erkennt eine falsche sofort.
Hilfe beim sicheren Online-Banking in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause. Ich zeige Ihnen an Ihrem eigenen Handy, wie eine echte Freigabe in Ihrer Banking-App aussieht, speichere die richtige Nummer Ihrer Bank und richte auf Wunsch ein sinnvolles Tageslimit ein.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Jemand hat angerufen und sich als meine Bank ausgegeben.“ Damit weiß ich schon ziemlich viel.


