In diesem Artikel
Irgendwann schaut man sich die Liste der installierten Programme an. Und erschrickt ein wenig. Da stehen Namen wie:
- „Microsoft Visual C++ 2015-2022 Redistributable (x64)“
- „Realtek Audio Driver“
- „Intel Management Engine Components“
Und das gleich mehrfach. Dazwischen ein Spiel, das Sie nie gespielt haben. Ein Virenschutz, von dem Sie nicht wussten, dass er da ist. Und ein Programm mit dem vielversprechenden Namen „PC Turbo Booster Pro“.
Die naheliegende Frage lautet: Was davon kann eigentlich weg? Die ehrliche Antwort: Einiges. Aber längst nicht alles, was merkwürdig klingt. Und genau da liegt der Haken.
Die wichtigste Regel zuerst
Bevor wir über einzelne Programme sprechen, eine Regel, die Ihnen viel Ärger ersparen kann: Was Sie nicht kennen, löschen Sie nicht einfach.
Ein Programm, das unnötig auf Ihrem Computer liegt, kostet meistens nur etwas Speicherplatz.
Ein Programm, das fehlt, obwohl es gebraucht wird, kann dagegen dafür sorgen, dass plötzlich der Ton nicht mehr geht. Oder der Drucker nicht mehr druckt. Oder ein anderes Programm nicht mehr startet.
Im Zweifel gilt deshalb: Stehen lassen. Lieber ein überflüssiges Programm zu viel als ein wichtiges zu wenig. Weitere Grundregeln dieser Art habe ich Ihnen in meiner Grundlagen-Übersicht zum Computer zusammengestellt.
Wo Sie die Liste Ihrer Programme finden
Unter Windows 11 finden Sie alle installierten Programme hier: Einstellungen › Apps › Installierte Apps.
Dort sehen Sie eine lange Liste. Neben jedem Eintrag gibt es drei kleine Punkte. Ein Klick darauf, und Sie sehen die Möglichkeit „Deinstallieren“.
Über der Liste können Sie außerdem einstellen, wie sortiert wird. Zum Beispiel nach Größe. Oder nach Installationsdatum. Das ist praktisch. Nach Datum sortiert sehen Sie zum Beispiel sofort, ob in letzter Zeit etwas installiert wurde, an das Sie sich gar nicht erinnern.
Programme werden deinstalliert, nicht in den Papierkorb geworfen
Hier passiert ein häufiger Fehler. Manche Menschen suchen den Ordner eines Programms auf der Festplatte und löschen ihn einfach.
Das ist ungefähr so, als würden Sie bei einem Einbauschrank nur die Türen abschrauben und denken, damit sei der ganze Schrank weg. Der Rest hängt aber noch an der Wand.
Bei Programmen ist es ähnlich. Ein Programm verteilt bei der Installation Teile an verschiedenen Stellen im System. Wenn nur der Ordner gelöscht wird, bleiben die übrigen Teile zurück.
Das Programm funktioniert nicht mehr, ist aber trotzdem nicht richtig entfernt. Und manchmal gibt es danach Fehlermeldungen.
Deshalb Programme immer über „Deinstallieren“ entfernen. Dann räumt das Programm hinter sich selbst auf.
Diese Programme sollten Sie in Ruhe lassen
Fangen wir mit den Einträgen an, die zwar seltsam klingen, aber fast immer gebraucht werden.
Treiber. Das sind kleine Programme, mit denen Windows mit Ihrer Hardware spricht. Mit der Soundkarte. Mit der Grafik. Mit dem WLAN.
Sie erkennen sie oft an Herstellernamen wie Intel, AMD, NVIDIA oder Realtek und an Wörtern wie „Driver“, „Audio“ oder „Graphics“. Wenn Sie so etwas löschen, kann es passieren, dass der Ton weg ist oder der Bildschirm nur noch in schlechter Auflösung angezeigt wird.
Microsoft Visual C++ Redistributable. Davon stehen auf vielen Computern gleich fünf, sechs oder zehn Einträge in der Liste. Mit unterschiedlichen Jahreszahlen. Das sieht nach Durcheinander aus. Ist aber Absicht.
Das sind Bausteine, die andere Programme zum Laufen brauchen. Und verschiedene Programme brauchen eben verschiedene Versionen. Die bitte alle stehen lassen.
Dasselbe gilt für Einträge mit „.NET“ im Namen. Auch das sind Bausteine für andere Programme.
Ihr Virenschutz. Zumindest dann, wenn es der einzige ist. Dazu gleich noch mehr.
Und natürlich alles, was Sie bewusst benutzen. Ihr Office-Programm. Die Software für Ihren Drucker oder Scanner, wenn Sie darüber scannen. Die Software Ihrer Bank, falls Sie eine verwenden.
Diese Programme können oft weg
Jetzt zum angenehmeren Teil. Es gibt einige Arten von Programmen, die auf vielen Computern liegen und dort wirklich niemandem helfen.
Abgelaufene Testversionen. Viele Computer kommen mit vorinstallierten Testversionen. Häufig ist das ein Virenschutzprogramm, das dreißig Tage lang kostenlos ist und danach regelmäßig daran erinnert, dass man jetzt bezahlen könnte.
Wenn Sie nicht vorhaben, es zu kaufen, kann es weg. Windows bringt mit Microsoft Defender bereits einen eigenen Virenschutz mit, der sich danach automatisch wieder einschaltet.
Zwei Virenschutzprogramme gleichzeitig sind übrigens nicht doppelt so sicher. Sie bremsen sich eher gegenseitig aus. Mehr dazu steht im Artikel Ihr Computer ist plötzlich langsam? Woran es liegt und was hilft
Vorinstallierte Spiele und Werbe-Apps. Manche Computer haben ab Werk Spiele oder Apps von Streamingdiensten, Reiseportalen oder Shopping-Seiten installiert. Wenn Sie die nie geöffnet haben, dürfen sie gehen.
„PC-Optimierer“, „Registry-Reiniger“ und ähnliche Programme. Die versprechen, Ihren Computer schneller zu machen. In der Praxis finden sie vor allem jede Menge angeblicher Probleme, deren Behebung Geld kostet. Ich würde sie entfernen.
Programme, die Sie nie bewusst installiert haben. Manchmal kommt beim Installieren eines kostenlosen Programms noch etwas anderes mit. Eine Suchleiste. Ein Zusatzprogramm. Ein „Download-Manager“.
Programme in drei Gruppen einteilen
Der Name allein sagt selten sicher, ob ein Programm entbehrlich ist.
Wenn Sie so etwas in der Liste entdecken und das Installationsdatum genau zu einem anderen Programm passt, das Sie damals installiert haben, ist es oft ein solcher Mitreisender.
Alte Programme, die Sie nicht mehr benutzen. Die Software für einen Drucker, den Sie vor fünf Jahren entsorgt haben.
Ein Programm für eine Digitalkamera, die längst in einer Schublade liegt. Eine Bildbearbeitung, die Sie einmal ausprobiert und nie wieder geöffnet haben. Auch die können in Ruhe weg.
Programme vom Hersteller des Computers
Hier wird es etwas schwieriger. Viele Computer kommen mit Programmen des Herstellers. Bei Lenovo, HP, Dell, Acer oder Asus heißen die zum Beispiel „Support Assistant“, „Vantage“ oder ähnlich.
Manche davon sind überflüssig und zeigen vor allem Werbung für Zubehör. Andere sind nützlich. Sie halten zum Beispiel die Treiber aktuell oder regeln, wie der Akku geladen wird.
Ich würde solche Programme deshalb nicht pauschal löschen. Wenn sie Sie nicht stören, können sie bleiben. Wenn sie ständig mit Meldungen nerven, lassen sich die Benachrichtigungen oft in den Einstellungen des Programms abschalten. Das Programm selbst muss dafür nicht weg.
Was ist mit dem zweiten Browser?
Auf vielen Computern sind zwei oder drei Browser installiert. Edge ist bei Windows sowieso dabei und lässt sich auch nicht einfach entfernen. Chrome oder Firefox kamen vielleicht später dazu.
Grundsätzlich kann ein Browser, den Sie nicht benutzen, weg. Aber bitte erst nachsehen. Liegen dort vielleicht Ihre Lesezeichen? Sind dort Passwörter gespeichert?
Wenn ja, sollten Sie diese erst in den Browser übernehmen, den Sie behalten möchten. Sonst sind sie nach der Deinstallation unter Umständen weg.
Und was ein Browser eigentlich ist, erkläre ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Und wenn ich gar nicht weiß, was ein Programm macht?
Dann haben Sie drei Möglichkeiten.
Erstens: stehen lassen. Das ist die sicherste.
Zweitens: schauen, wer es herausgibt. In der Liste steht oft der Herstellername unter dem Programmnamen. Steht dort Intel, Microsoft oder der Hersteller Ihres Computers, ist das eher ein Hinweis darauf, dass das Programm zum System gehört.
Drittens: im Internet nachsehen. Aber vorsichtig. Wenn Sie nach dem Namen eines Programms suchen, erscheinen häufig Seiten, die Ihnen ein „Entfernungsprogramm“ zum Herunterladen anbieten.
Die würde ich meiden. Sie bringen oft mehr unerwünschte Software mit, als sie entfernen.
Eine einfache Erklärung, was ein Programm macht, reicht völlig. Zum Löschen brauchen Sie danach nur die normale Deinstallation von Windows.
Ein unbekanntes Programm?
- Im Zweifel stehen lassenDas ist zunächst die sicherste Entscheidung.
- Hersteller ansehenDer Name unter dem Programm kann einen Hinweis auf seine Aufgabe geben.
- Keine Entferner nachladenSeien Sie vorsichtig mit Seiten, die ein zusätzliches Reinigungsprogramm anbieten.
Bringt das Löschen überhaupt etwas?
Manchmal sehr viel. Manchmal kaum etwas.
Wenn ein Programm einfach nur ungenutzt auf der Festplatte liegt, kostet es Speicherplatz. Mehr nicht. Den Computer macht es nicht spürbar langsamer.
Anders sieht es bei Programmen aus, die ständig im Hintergrund laufen. Bei Virenschutz-Testversionen. Bei Optimierern. Bei Programmen, die sich beim Start automatisch mit einschalten. Diese zu entfernen, kann einen deutlichen Unterschied machen.
Und dann gibt es noch einen Vorteil, der in keiner Statistik auftaucht: Weniger Programme bedeuten weniger Meldungen, weniger Fragen und weniger Dinge, über die Sie nachdenken müssen.
Ein aufgeräumter Computer ist nicht nur schneller. Er ist vor allem ruhiger.
Was ich zuerst entfernen würde
Wenn Sie aufräumen möchten, würde ich in dieser Reihenfolge vorgehen:
- Zuerst abgelaufene Testversionen von Virenschutzprogrammen.
- Dann „PC-Optimierer“ und ähnliche Programme.
- Danach vorinstallierte Spiele und Werbe-Apps.
- Anschließend Programme für Geräte, die Sie nicht mehr besitzen.
- Und alles, was Sie kennen, aber sicher nicht mehr brauchen.
Bei allem anderen gilt weiterhin: Was Sie nicht kennen, bleibt erst einmal da. Und nach dem Aufräumen einmal über „Neu starten“ neu starten.
Programme, die sich eingeschlichen haben
Manche Programme in der Liste haben Sie nie bewusst installiert. Sie kamen mit einem anderen Programm mit, oft über ein Häkchen, das schon gesetzt war. Ein schneller Weg, sie zu finden: Sortieren Sie die Liste der installierten Apps nach Installationsdatum. Was am selben Tag wie ein kostenloses Programm aufgetaucht ist, ist ein heißer Kandidat.
Wie Sie solche ungebetenen Gäste erkennen und beim Deinstallieren von Programmen nicht in die Fallen tappen, zeige ich Ihnen in einer eigenen Anleitung. Und wie Sie prüfen, woher ein Programm stammt, bevor Sie es installieren, zeige ich in Lektion 7 meines Videokurs „Computer verstehen“.
Wenn Sie nicht sicher sind, was weg kann
Eine Liste mit achtzig Programmen ist nichts, was man an einem Sonntagnachmittag nebenbei erledigt. Vor allem dann nicht, wenn die Hälfte davon Namen trägt, die nach Bauanleitung klingen.
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause und gehe die Liste gemeinsam mit Ihnen durch. Ich entferne, was überflüssig ist, lasse stehen, was gebraucht wird, und erkläre Ihnen bei den wichtigsten Einträgen, wozu sie da sind.
Und wenn danach etwas fehlt, das Sie doch brauchen, ist es schnell wieder installiert. Gerade wenn der Computer dabei auch langsam geworden ist, lohnt sich ein Blick darauf, was ich bei einem langsamen Computer prüfe.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Und falls Sie gerade überlegen, ob „Microsoft Visual C++ Redistributable“ wirklich in sechs verschiedenen Versionen auf Ihrem Computer sein muss: Ja. Leider. Es meint das nicht böse.


