In diesem Artikel
Dienstagvormittag, das Handy brummt. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer: „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer. Mein altes Handy ist kaputt. Kannst du die alte Nummer löschen und diese speichern?“ Dazu ein Herz und ein lachendes Gesicht.
Klingt nach Ihrer Tochter. Sie schreibt ja auch immer so. Also speichern Sie die Nummer. Eine Stunde später kommt die nächste Nachricht: Eine Rechnung müsse heute noch bezahlt werden, das Online-Banking gehe auf dem neuen Handy noch nicht. Ob Sie kurz aushelfen könnten, es seien nur 1.480 Euro. Spätestens jetzt ist klar: Das ist die „Hallo Mama“-SMS – und ein Fall für die Polizei.
Genau so beginnt eine der häufigsten Betrugsmaschen der letzten Jahre. Sie trifft Menschen jeden Alters, aber besonders oft Eltern und Großeltern, die ihren Kindern gern helfen.
Hier erkläre ich, woran Sie die Masche erkennen, was Sie mit so einer Nachricht machen und was zu tun ist, wenn das Geld schon überwiesen wurde.
Bei „Hallo Mama, neue Nummer“ gilt:
- Unter der alten, bekannten Nummer anrufen.
- Eine Frage stellen, die nur das eigene Kind beantworten kann.
- Kein Geld ohne Gespräch, egal wie dringend es klingt.
So läuft die Masche ab
Der Ablauf ist fast immer derselbe. Erst kommt eine harmlose Nachricht: neue Nummer, altes Handy kaputt, bitte speichern. Es geht noch nicht um Geld. Die Betrüger wollen nur, dass Sie antworten und die Nummer als Ihr Kind abspeichern.
Ein paar Nachrichten später folgt die eigentliche Bitte. Eine dringende Rechnung, eine Reparatur, eine Zahlung, die heute noch raus muss. Das Kind könne gerade nicht selbst überweisen, weil das Online-Banking auf dem neuen Handy erst eingerichtet werden müsse. Sie sollen das Geld vorstrecken, man zahle es natürlich zurück.
Die Empfängerin der Überweisung ist dann eine fremde Person. „Das ist die Werkstatt“ oder „der Vermieter von meinem Freund“, heißt es zur Erklärung. In Wahrheit landet das Geld auf einem Konto, das Betrüger nur für diesen Zweck nutzen.
Woran Sie die „Hallo Mama“-SMS erkennen
Die Nachrichten wirken persönlich, aber sie folgen einem Muster. Diese Zeichen tauchen fast immer auf:
- eine unbekannte Nummer, die behauptet, zu Ihrem Kind zu gehören,
- keine Namensnennung, nur „Mama“, „Papa“ oder „Hallo du“,
- die Bitte, die alte Nummer zu löschen,
- ein Grund, warum gerade nicht telefoniert werden kann,
- eine dringende Zahlung an eine fremde Person,
- Druck: Es muss heute passieren, am besten sofort.
Schon zwei dieser Zeichen zusammen sind ein klares Warnsignal. Besonders die Bitte, die alte Nummer zu löschen, sollte Sie stutzig machen. Sie dient nur dazu, dass Sie Ihr echtes Kind nicht mehr so leicht erreichen.
Warum die Masche so gut funktioniert
Niemand fällt auf diese Nachrichten herein, weil er leichtgläubig ist. Die Masche funktioniert, weil sie an etwas Gutes appelliert: an den Wunsch, dem eigenen Kind zu helfen. Und weil sie im Alltag so gut vorstellbar ist. Kinder verlieren nun einmal Handys, und das Online-Banking auf einem neuen Gerät einzurichten, dauert tatsächlich.
Dazu kommt, dass die Betrüger nicht wissen müssen, wer Sie sind. Sie verschicken die gleiche Nachricht an Tausende Nummern. Wer ein Kind hat und antwortet, ist im Spiel. Den Rest erledigt die Fantasie: Man liest die Nachricht mit der Stimme des eigenen Kindes.
Das ist wichtig zu verstehen, gerade wenn man doch einmal hereingefallen ist. Es hat nichts mit Dummheit zu tun. Diese Nachrichten sind von Menschen geschrieben, die nichts anderes tun, als andere zu täuschen. Welche Maschen diese Leute sonst noch nutzen, am Telefon, per E-Mail oder am Computer, habe ich in meiner Übersicht gegen Betrug und Abzocke zusammengetragen.
Die wichtigste Regel: die alte Nummer anrufen
Es gibt einen Schritt, der diese Masche fast immer sofort beendet: Rufen Sie Ihr Kind unter der alten, bekannten Nummer an. Nicht zurückschreiben, nicht die neue Nummer anrufen, sondern die Nummer, die Sie seit Jahren gespeichert haben.
Ist das Handy wirklich kaputt, erreichen Sie Ihr Kind vielleicht nicht. Dann versuchen Sie es über einen anderen Weg: den Partner oder die Partnerin, die Arbeitsstelle, ein anderes Familienmitglied. In den allermeisten Fällen meldet sich nach wenigen Minuten das echte Kind und ist völlig ahnungslos.
Diese Regel ist so einfach, dass man sie leicht unterschätzt. Aber sie hat einen großen Vorteil: Sie müssen nicht beurteilen, ob die Nachricht echt klingt. Sie prüfen einfach über einen Weg, den Sie selbst wählen. Genau dieses Prinzip übe ich in Lektion 10 meines Videokurses „Computer verstehen“, dort am Beispiel verdächtiger Anrufe.
Vier Warnzeichen in fünf Nachrichten
So sieht der Verlauf fast immer aus, und so antworten Sie richtig.
+49 1·· ··· ··· 37unbekannte Nummer1
Hallo Mama, das ist meine neue Nummer 😊
2Mein altes Handy ist kaputt. Lösch die alte Nummer bitte.
3Kann gerade nicht telefonieren, Mikro geht nicht.
4Kannst du heute noch 1.480 € überweisen? Ist dringend!
Ich rufe dich kurz unter deiner alten Nummer an.
- 1Unbekannte NummerAngeblich das Kind, aber ohne Namen.
- 2„Lösch die alte Nummer“Damit Sie das echte Kind nicht mehr erreichen.
- 3Kein Anruf möglichEin Gespräch würde den Betrug auffliegen lassen.
- 4Dringend GeldAn eine fremde Person, heute noch.
- ✓Die richtige AntwortUnter der alten, bekannten Nummer anrufen.
Eine Frage, die nur Ihr Kind beantworten kann
Wenn Sie niemanden erreichen und trotzdem unsicher sind, stellen Sie eine Frage, deren Antwort nur Ihr Kind kennen kann. Nicht etwas, das man im Internet nachlesen kann, wie den Geburtstag oder den Namen des Ehemanns. Sondern etwas aus dem gemeinsamen Leben.
Wie hieß der Hund, den wir hatten, als du klein warst? Wohin sind wir immer in den Sommerferien gefahren? Was gab es bei Oma immer zu Weihnachten?
Betrüger weichen solchen Fragen aus. Sie werden ungeduldig, wechseln das Thema oder schreiben: „Mama, das ist doch jetzt egal, es ist dringend.“ Genau diese Reaktion ist Ihre Antwort.

„Ich kann gerade nicht telefonieren“
Ein fester Bestandteil der Masche ist der Satz, warum gerade kein Anruf möglich ist. Das Mikrofon sei kaputt, man sitze in einer Besprechung, der Akku sei fast leer, das Netz zu schlecht. Manchmal heißt es auch einfach: „Schreib lieber, ich kann nicht reden.“
Ihr echtes Kind würde in einer Notlage anrufen, oder Sie zumindest kurz mit seiner Stimme beruhigen. Dass ein Anruf ausgerechnet dann unmöglich ist, wenn es um Geld geht, ist kein Zufall. Ein Anruf würde den Betrug sofort auffliegen lassen.
Merken Sie sich deshalb: Kein Geld ohne Gespräch. Wenn Ihr Kind wirklich Hilfe braucht, kann es auch fünf Minuten warten, bis Sie es gesprochen haben.
Neue Spielarten: Sprachnachrichten und Fotos
Die Masche entwickelt sich weiter. Manchmal schicken die Betrüger ein Foto, das tatsächlich nach Ihrem Kind aussieht, kopiert aus sozialen Netzwerken. Manchmal kommt eine Sprachnachricht mit einer Stimme, die der Ihres Kindes ähnelt. Inzwischen lassen sich Stimmen mit Computerprogrammen nachahmen, wenn es genug Aufnahmen davon im Internet gibt.
Lassen Sie sich davon nicht beirren. Ein Foto oder eine kurze Sprachnachricht ist kein Beweis. Die Regel bleibt dieselbe: Rufen Sie unter der alten Nummer an oder stellen Sie Ihre persönliche Frage.
Ein Gespräch, in dem Sie nachfragen können, lässt sich nicht so leicht fälschen wie eine einzelne Nachricht.
Was Sie mit der „Hallo Mama“-SMS jetzt machen
Wenn Sie sicher sind, dass es Betrug ist, gehen Sie in Ruhe so vor:
- Antworten Sie nicht mehr, auch nicht mit Beschimpfungen. Jede Antwort zeigt, dass die Nummer aktiv ist.
- Machen Sie ein Bildschirmfoto vom Verlauf, falls Sie Anzeige erstatten möchten.
- Blockieren Sie die Nummer. In WhatsApp tippen Sie dazu oben auf die Nummer und dann auf „Blockieren“. Dort können Sie die Nummer gleichzeitig melden.
- Löschen Sie den gespeicherten Kontakt wieder, falls Sie ihn schon unter dem Namen Ihres Kindes angelegt haben.
- Erzählen Sie Ihrer Familie davon, damit niemand anderes darauf hereinfällt.
Kommen die Nachrichten per SMS statt per WhatsApp, geht das Blockieren ähnlich über die Nachrichten-App des Handys.
Sie haben schon überwiesen? Rufen Sie sofort Ihre Bank an
Dann zählt jede Minute. Schämen Sie sich nicht, sondern handeln Sie:
- Rufen Sie sofort Ihre Bank an und schildern Sie, dass Sie Opfer eines Betrugs geworden sind. Die Nummer steht auf Ihrer Bankkarte oder auf der Internetseite der Bank.
- Bitten Sie die Bank, die Überweisung zurückzurufen. Bei normalen Überweisungen klappt das manchmal noch, wenn es schnell geht. Bei Echtzeitüberweisungen ist das Geld oft sofort weg.
- Haben Sie Zugangsdaten zum Online-Banking oder TAN-Nummern weitergegeben, lassen Sie den Zugang sperren. Der Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr erreichbar.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, wie im nächsten Abschnitt beschrieben.
Rufen Sie danach Ihr echtes Kind an. Nicht, um sich zu entschuldigen, sondern damit jemand Bescheid weiß und Ihnen beim weiteren Vorgehen hilft.
So melden Sie die „Hallo Mama“-SMS bei der Polizei
Auch wenn das Geld vielleicht nicht zurückkommt, lohnt sich eine Anzeige. Sie hilft der Polizei, die Konten der Betrüger zu finden und andere zu warnen. Und Ihre Bank fragt bei einem Betrugsfall oft nach einer Anzeige.
In Berlin können Sie Anzeige bei jeder Polizeidienststelle erstatten oder online über die Internetwache der Berliner Polizei. Halten Sie die Bildschirmfotos vom Nachrichtenverlauf, die Nummer und die Überweisungsdaten bereit. Falls Sie das noch nie gemacht haben: Wie ein Bildschirmfoto am Handy gelingt, zeige ich Ihnen in einem eigenen Artikel.
Auch wenn nichts passiert ist, können Sie solche Nachrichten melden. Viele Polizeibehörden sammeln die Nummern, um Muster zu erkennen.

WhatsApp etwas sicherer einstellen
Ein paar Einstellungen machen es Betrügern schwerer. Sie finden sie in WhatsApp unter Einstellungen › Datenschutz. Zwei sind besonders nützlich:
Stellen Sie das Profilbild so ein, dass nur Ihre Kontakte es sehen. Dann können Fremde nicht sehen, wie Sie aussehen, und auch keine Fotos von Ihnen für ihre Zwecke nutzen. Und schalten Sie unter „Anrufe“ die Funktion ein, mit der Anrufe von unbekannten Nummern stumm geschaltet werden.
Wie Sie WhatsApp insgesamt sicher einrichten, zeige ich gern bei einem Besuch. Und welche Maschen es außer dieser noch gibt, erkläre ich in meinem Artikel darüber, wie Sie Ihre Eltern schützen.
Ein Codewort für die Familie
Viele Familien vereinbaren inzwischen ein Codewort. Ein Wort, das nur die Familie kennt und das in jeder Nachricht oder jedem Anruf genannt wird, in dem es um Geld geht. Kein Codewort, kein Geld. Ganz einfach.
Wählen Sie ein Wort, das man sich leicht merken kann, das aber nirgends im Internet steht. Den Namen eines alten Haustiers, einen Spitznamen aus der Kindheit, den Namen des Ferienortes.
Besprechen Sie das Codewort am besten bei einem Familientreffen oder am Telefon, nicht per Nachricht. Schreiben Sie es nirgends in das Handy, sondern höchstens auf einen Zettel, der zu Hause bei Ihren wichtigen Unterlagen liegt. Und erzählen Sie es auch den Enkeln, sobald sie alt genug sind, denn auch in ihrem Namen werden solche Nachrichten verschickt. Wenn ein Familienmitglied das Wort einmal vergisst, ist das kein Problem: Ein kurzer Anruf klärt dann alles.
Das Gute an einem Codewort: Es nimmt die Unsicherheit aus der Situation. Sie müssen nicht abwägen, ob die Nachricht echt klingt. Sie fragen einfach nach dem Wort.
Wenn Sie unsicher sind
Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft nachfragen. Kein echtes Kind ist beleidigt, wenn seine Mutter sicherheitshalber anruft. Im Gegenteil, die meisten sind erleichtert, dass ihre Eltern so aufmerksam sind.
Ähnliche Tricks gibt es auch am Telefon und per E-Mail. Wie ein falscher Support-Anruf abläuft, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. Woran Sie betrügerische E-Mails erkennen, zeigt Woran Sie eine Phishing-Mail erkennen – und was Sie dann tun
Hilfe bei verdächtigen Nachrichten in Berlin-Charlottenburg
Wenn Sie in Berlin-Charlottenburg wohnen, komme ich gerne zu Ihnen nach Hause. Ich zeige Ihnen am eigenen Handy, wie Sie verdächtige Nachrichten erkennen, Nummern blockieren und WhatsApp sicherer einstellen. Auf Wunsch sind Ihre Kinder dabei, dann vereinbaren wir gleich gemeinsam das Codewort.
Sie erreichen mich unter 0151 44985258 oder per E-Mail an hilfe@computerhilfe-charlottenburg.de.
Am Telefon reicht übrigens ein Satz wie: „Ich habe eine Nachricht von meiner angeblichen Tochter mit neuer Nummer bekommen.“ Damit weiß ich schon ziemlich viel.


